Washington (dpa) - Der US-Geheimdienst NSA sammelt laut einem Bericht der "Washington Post" täglich weltweit rund fünf Milliarden Datensätze über die Aufenthaltsorte von Handynutzern.

Die Spionagebehörde überwache außerhalb der USA Hunderte Millionen Mobiltelefone, schrieb die Zeitung am Mittwoch (Ortszeit). Die Standortdaten werden in einer Datenbank gespeichert. Dadurch kann die NSA die Bewegungen ihrer Besitzer verfolgen und sich ein Bild der Kontakte zwischen Einzelpersonen machen.

Die Zeitung beruft sich auf NSA-Geheimpapiere aus dem Fundus des NSA-Informanten Edward Snowden und Interviews mit Regierungsbeamten. Von den seit Juni enthüllten Spähprogrammen sei diese Sammlung und Analyse von Standortdaten wohl im "Umfang und möglichen Auswirkungen auf die Privatsphäre unübertroffen", schrieb das Blatt. NSA-Mitarbeiter können "Mobiltelefone überall auf der Welt finden, ihre Bewegungen zurückverfolgen und geheime Beziehungen zwischen ihren Benutzern enthüllen."

Die Ortsdaten erhalte die NSA durch Anzapfen der Kabel, die Mobilnetze weltweit verbinden, sagte ein Beamter, der anonym bleiben wollte. Außerdem gelange die Behörde an Daten von Millionen von US-Bürgern, die ihre Mobiltelefone im Ausland verwenden.

Der Geheimdienst betonte gegenüber der "Post", dass das Programm rechtmäßig sei. Das Ziel der Überwachung seien "Ziele im Ausland". US-Bürger würden nicht gezielt überwacht. Die Behörde gelangt jedoch im Zuge der Überwachung quasi als Nebenprodukt an große Mengen von Daten von US-Telefonen. "Co-Traveller" genannte Analyseprogramme durchkämmen die Milliarden von Datensätze nach überstimmenden Bewegungsmustern von Terrorverdächtigen und ihren Mitstreitern. Die NSA speichert dem Bericht zufolge etwa 27 Terabyte an Daten.

Für Datenschützer ist die Speicherung von Standortdaten besonders problematisch. Mobiltelefone senden auch Daten, wenn sie nicht verwendet werden. "Eine der wichtigsten Komponenten von Ortsdaten ist, dass die Gesetze der Physik verhindern, sie überhaupt geheim zu halten", sagte Chris Soghoian von der US-Bürgerrechtsunion ACLU. "Der einzige Weg, seinen Standort geheim zu halten, ist sich von unserem modernen Kommunikationssystem abzukoppeln und in einer Höhle zu leben."

Bericht in der "Washington Post"