Die Lage zwischen den ukrainischen Polizei und der pro-westlichen Opposition ist gespannt. Nach dem nächtlichen Vorrücken der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten droht das Innenministerium mit einem harten Durchgreifen. Jeder Widerstand werde als versuchte Organisation von Massenunruhen eingestuft, teilte das Ministerium in Kiew mit.

Gegen Provokateure sollen Tränengas und andere Mittel eingesetzt werden. Am Platz der Unabhängigkeit in Kiew standen sich am Morgen trotz eisiger Kälte Tausende Demonstranten und Truppen der Regierung gegenüber.

Der ukrainische Oppositionsführer und Boxweltmeister Vitali Klitschko kündigte an, die Proteste in Kiew gegen die Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch notfalls bis ins neue Jahr fortzusetzen. In einem Beitrag für die Bild-Zeitung schreibt Klitschko: "Jetzt sind wir hier schon seit 18 Tagen und die Regierung setzt wohl immer noch darauf, dass wir irgendwann schon gehen werden. Aber wir werden nicht gehen. Wir werden, wenn es notwendig ist, hier auch bis ins neue Jahr bleiben. Und wir lassen uns erst recht nicht mit brutalen Aktionen einschüchtern!"

In der Nacht zum Dienstag hatte die Polizei Barrikaden beseitigt, die die Zufahrten zum Parlament, zum Präsidentenpalast und zu Ministerien blockierten. Es kam jedoch nicht zu Ausschreitungen, als die Demonstranten abgedrängt wurden. Sie formierten sich neu auf dem Unabhängigkeitsplatz, wo sie eine provisorische Zeltstadt errichtet haben. In den vergangenen Tagen haben Hunderttausende in Kiew gegen Janukowitsch demonstriert.

Die Opposition fürchtet, dass Janukowitsch die Ukraine in eine von Russland dominierte Zollunion führen will und damit den Abstand zur EU vergrößert. Der Präsident hatte im November die Unterzeichnung eines über mehrere Jahre ausgehandelten Freihandelsabkommen mit der EU überraschend abgelehnt.