Im Strafprozess um Manipulationen bei Leberverpflanzungen an der Göttinger Universitätsmedizin muss der angeklagte Arzt mit einer Verurteilung rechnen. Das kündigte der Vorsitzende Richter im Landgericht Göttingen an. Gleichzeitig setzte das niedersächsische Gericht den Haftbefehl gegen den früheren Chef der Transplantationsmedizin aber außer Vollzug.

Die Kammer äußerte Zweifel am Vorsatz der dem Beschuldigten zur Last gelegten Taten, eine Verurteilung komme aber auch wegen Fahrlässigkeit in Betracht. Der Mediziner soll bei der Meldung von Daten seiner Patienten an Eurotransplant – die zentrale Vergabestelle von Spenderorganen – absichtlich falsche Angaben gemacht haben. Die Kranken seien dadurch auf der Warteliste weit nach oben gerückt.

In fünf dieser Fälle hat sich der Beschuldigte laut Staatsanwaltschaft über die Richtlinie der Ärztekammer bei Alkoholkranken hinweggesetzt. Danach ist bei Alkoholikern eine Transplantation erst nach Ablauf einer sechsmonatigen Abstinenz möglich.

Um aus der Untersuchungshaft zu kommen, muss der Arzt 500.000 Euro Kaution hinterlegen. Außerdem muss er seine Reisedokumente abgeben, da das Gericht nach wie vor Fluchtgefahr bei ihm sieht. Der Mediziner, der aus dem Nahen Osten stammt, sitzt seit Januar in U-Haft.