Der Prozess gegen Exbundespräsident Christian Wulff könnte schon im Januar eingestellt werden. Das sagte Richter Frank Rosenow am Donnerstag in einer Zwischenbilanz. Die Vorwürfe der Vorteilsnahme seien nach der vorläufigen Bewertung der Kammer nicht belegbar. Rosenow schlug vor, das laufende Verfahren einzustellen. Diesem Vorschlag müssten sowohl Verteidigung und Staatsanwaltschaft zustimmen. Beide lehnten die Einstellung des Verfahrens zunächst ab.

"Die Zwischenbilanz der Kammer überzeugt uns nur teilweise", sagte Oberstaatsanwalt Clemens Eimterbäumer. Nach wie vor gäbe es ausreichende Hinweise darauf, dass Wulff sich von dem Filmfinancier David Groenewold habe einladen lassen. Die Zeugen hätten sich, wie zu erwarten war, an wenig Umstände des Oktoberfestbesuchs im Jahr 2008 erinnern können. Das Gericht müsse aber ein Gesamtbild bekommen. So sei Groenewolds versuchte Verschleierung der Rechnung ein Indiz dafür, dass eine Absprache mit Wulff vorgelegen hätte. "Wulff musste die fehlenden Babysitterkosten auf seiner Rechnung vermissen", sagte Eimtenbäumer.

Anwalt Bernd Müssig sagte, für die Verteidigung Wulffs käme nur ein Freispruch in Frage. "Die Stellungnahme des Gerichts liegt auf der Linie, die wir bis jetzt die ganze Zeit gezeichnet haben", sagte Müssig. Der primäre Vorwurf der Vorteilsnahme sei nicht nachweisbar. Der weitere Vorwurf der Verschleierung sei "ehrabschneidend". Eine Einstellung des Verfahrens komme so mit oder ohne Auflagen nicht in Betracht.

Wulff muss sich seit Mitte November wegen des Verdachts auf Vorteilsnahme vor Gericht verantworten. Er soll sich von Filmfinancier Groenewold Hotel- und Essenskosten bezahlt haben lassen und im Gegenzug für eines seiner Filmprojekte geworben hatte. Am achten Verhandlungstag hatte eine Oktoberfestbedienung vor Gericht ausgesagt, die sich aber auch kaum an den Besuch Wulffs erinnern konnte.

Am 2. Januar soll der Prozess fortgesetzt werden. Das Gericht kündigte an, zwei weitere Zeugen laden zu wollen. Am 9. Januar soll das Gericht zum Fortgang des Verfahrens endgültig Stellung beziehen.