Juba (dpa) - Weiter Blutvergießen im Südsudan: US-Präsident Obama sieht das Land "am Abgrund". Uganda schickt Soldaten. Eine AU-Delegation will vermitteln. Zwei UN-Soldaten sterben. In Juba wurden mindestens 450 Menschen getötet. Deutsche und andere Ausländer werden ausgeflogen.

Afrika droht ein neuer Bürgerkrieg: Angesichts der anhaltenden Kämpfe im Südsudan forderte US-Präsident Barack Obama die Konfliktparteien zu Verhandlungen und einem Ende der Kampfhandlungen auf. "Südsudan steht am Abgrund", warnte Obama. Die Afrikanische Union (AU) hat eine Vermittlerdelegation nach Juba entsandt.

Uganda hat nach Angaben eines Armeesprechers in Kampala Soldaten nach Juba geschickt, um vor allem den Flughafen zu schützen. Die USA und die Vereinten Nationen wollten ebenfalls ihre jeweiligen Kontingente an Sicherheitskräften im Land verstärken. Deutsche und andere Ausländer verließen unterdessen das Land. Erstmals wurden auch zwei UN-Soldaten Opfer des Machtkampfes. Ein Sprecher der südsudanesischen Streitkräfte bezifferte nach einem Bericht der "Sudan Tribune" die Zahl der Toten in der Hauptstadt Juba mit bisher 450, darunter seien 100 Soldaten.

Obama erinnerte in der vom Weißen Haus veröffentlichten Stellungnahme an die Staatsgründung des Südsudans 2011, als die Bürger sich für die Abspaltung vom Sudan entschieden. Nach einem jahrelangen "Teufelskreis der Gewalt" hätten alle auf Frieden und Wohlstand gehofft. Nun drohe das Land "in die dunklen Tage seiner Vergangenheit" zurückzufallen.

Mehrere Außenminister ostafrikanischer Staaten sind im AU-Auftrag nach Juba geflogen, um bei der Lösung der Krise zu helfen. Geführt werde die Delegation der Außenminister aus Uganda, Dschibuti, Kenia, Somalia, Sudan und dem AU-Kommissar für Frieden und Sicherheit von dem äthiopischen Außenminister Tedros Adhanom, berichtete der Sprecher des Außenministerium Ugandas der dpa. Die Minister wollten mit beiden Konfliktparteien sprechen.

Bei einem Angriff auf einen UN-Stützpunkt in Akobo in der Provinz Jonglei wurden zwei indische Soldaten der UN-Friedenstruppe getötet. Indiens UN-Repräsentant Asoke Kumar Mukerji hatte am Donnerstag in New York zunächst von drei Opfern gesprochen, die UN korrigierte die Zahl später. In dem UN-Stützpunkt haben mehr als 10 000 Menschen Zuflucht gesucht. Die UN befürchten auch Opfer unter ihnen. Nach UN-Angaben haben in Südsudan bereits 35 000 Menschen im Land Schutz vor den Kämpfen in UN-Einrichtungen gesucht.

Hintergrund der Unruhen ist ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem im Juli entlassenen Stellvertreter Riek Machar. Die größte Gefahr besteht darin, dass sich die Kämpfe zum Bürgerkrieg zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen ausweiten. Kiir gehört der Volksgruppe der Dinka an, die die Regierungspartei und frühere Rebellentruppe SPLM (Sudanesische Volksbefreiungsbewegung) dominieren. Machar ist ein Lou Nuer.

Präsident Kiir sagte der Zeitung, dass es keinen Bürgerkrieg geben werde, solange nicht Kräfte an einem Umsturz arbeiten würden. Die Regierung sei dem friedlichen Zusammenleben aller Gruppen verpflichtet. Die Zentralregierung wie auch Provinzgouverneure forderten im Radio die Bevölkerung zur Ruhe und einem Ende der Kampfhandlungen auf.

Die Bundeswehr flog am Freitag 55 Deutsche und andere Ausländer aus dem Krisenland aus. Eine Transportmaschine des Typs Transall brachte die Passagiere zunächst von Juba nach Entebbe im Nachbarland Uganda. Ein zweiter Evakuierungsflug war nach Angaben eines Sprechers des Auswärtigen Amts für den Nachmittag geplant. Insgesamt sollen bis zu 100 Deutsche in Sicherheit gebracht werden. Auch die Niederlande und Italien begannen am Freitag, Landsleute auszufliegen.

Der deutsche Botschafter wird vorläufig ebenso im Land bleiben wie die zwölf deutschen Soldaten, die an der UN-Friedensmission im Südsudan beteiligt sind. Drei deutsche Polizisten, die bisher an einer EU-Mission beteiligt waren, wurden dagegen ausgeflogen.

In einem Brief an die Spitzen des Kongresses hatte Obama am Donnerstag die Entsendung von etwa 45 US-Soldaten in den Südsudan mitgeteilt. Diese seien bereits am Mittwoch aufgebrochen, um die US-Bürger und die Botschaft im Südsudan zu schützen.