Moskau (dpa) - Kremlchef Wladimir Putin hat die Begnadigungsurkunde für seinen seit zehn Jahren inhaftierten Gegner Michail Chodorkowski unterschrieben. Das teilte die Präsidialverwaltung in Moskau mit.

Auf Grundlage der Prinzipien der Humanität befreie er den 50-Jährigen von seiner weiteren Haftstrafe, hieß es in dem veröffentlichten Ukas. Die Entscheidung trat sofort in Kraft.

Wann genau der prominenteste Gefangene Russlands freikommt, war unklar. Der schärfste Gegner Putins ist seit 2003 in Haft, die im August nächsten Jahres enden sollte. Angehörige Chodorkowskis teilten mit, dass die Anwälte in das Straflager gereist seien.

Der Gefangene halte sich weiter im Lager in Segescha im Norden Russlands an der finnischen Grenze auf, meldete die Agentur Interfax am Freitag unter Berufung auf Strafvollzugsbehörden.

Putin hatte am Vortag überraschend von einem Gnadengesuch Chodorkowskis gesprochen. Die Zeitung "Kommersant" berichtete, dass Geheimdienstmitarbeiter sich mit Chodorkowski im Straflager getroffen hätten, um den Gnadenakt auf den Weg zu bringen.

Chodorkowski hatte ein Begnadigungsgesuch stets abgelehnt, weil damit nach Kremlangaben ein Schuldeingeständnis verbunden ist. Putin begründete seine Entscheidung mit einer Erkrankung von Marina Chodorkowskaja, der Mutter des Kremlgegners.