Trier (dpa) - Knapp vier Jahre nach Enthüllung des Missbrauchsskandals hat die katholische Kirche schätzungsweise rund sechs Millionen Euro an die Opfer gezahlt. Rund 1300 Menschen stellten bei der Koordinierungsstelle der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) einen Antrag auf Entschädigung.

In den allermeisten Fällen habe die Expertenstelle eine Geldzahlung empfohlen, die über die jeweiligen Bistümer oder Orden erfolge, sagte ein DBK-Sprecher. Im Durchschnitt flossen pro bewilligtem Fall rund 5000 Euro, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.

Als die katholische Kirche im März 2011 mit "materiellen Leistungen in Anerkennung des Leids der Opfer" begann, türmten sich zunächst die Anträge - nun ist die Antragsflut vorbei. "Die Zahl der Anträge ist massiv zurückgegangen", sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Triers Bischof Stephan Ackermann. Dennoch: "Natürlich gibt es noch aktuelle Fälle. Das Problem bleibt." Aber es sei "kein Vergleich zu dem, was wir vor zwei, drei Jahren hatten."

2010 hatte ein Missbrauchsskandal die katholische Kirche in Deutschland erschüttert. Die sexuellen Übergriffe von Priestern und Geistlichen auf Kinder und Jugendliche lagen Jahrzehnte zurück - wurden dann aber erst aufgedeckt. Strafrechtlich blieben die Vorfälle meist folgenlos, weil die Taten verjährt waren. Die "Entschädigungszahlungen" waren Teil eines Pakets an Maßnahmen, mit dem die katholische Kirche reagierte. Offizielle Angaben über die Gesamtzahlungen sämtlicher Bistümer gibt es nicht. Hier eine Übersicht aus 9 der 27 deutschen Bistümer:

Das Bistum Münster (2 Millionen Katholiken) zahlte knapp 563 000 Euro an Opfer sexuellen Missbrauchs durch kirchliche Mitarbeiter, davon knapp 100 000 Euro im Jahr 2013. Hinzu kommen mehr als 61 000 Euro etwa für Therapie- und Behandlungskosten. Bislang hätten sich 112 Menschen als Opfer gemeldet, sagte ein Sprecher.

Im Erzbistum München und Freising (1,76 Millionen Katholiken) wurden bei 36 Anträgen bislang in 26 Fällen insgesamt 134 000 Euro ausgezahlt. Daneben wurden Therapie- und Fahrtkosten übernommen in Höhe von etwas mehr als 32 000 Euro. Die Anerkennungszahlung belief sich auf mindestens 5000 Euro, in wenigen Fällen auf bis zu 7000 Euro, hieß es aus München.

Das Erzbistum Paderborn (1,7 Millionen Katholiken) überwies bisher 297 500 Euro Entschädigungen. Hinzu kämen 21 500 Euro für Therapiekosten, sagte ein Bistumssprecher. Die Spanne der ausgezahlten Summen an 49 Opfer reicht von 1000 bis 8000 Euro.

Im Bistum Mainz (754 000 Katholiken) erhielten Missbrauchsopfer 201 000 Euro. Die Beträge lagen zwischen 1000 und 13 000 Euro. 38 Anträge von Opfern gingen ein: 33 wurden bewilligt, 3 abgelehnt und 2 seien noch in Prüfung, teilte das Bistum mit. Eine Auswertung der Personalakten seit dem Zweiten Weltkrieg habe 60 Verdachtsfälle von Missbrauch ergeben.

Im Bistum Speyer (570 000 Katholiken) gingen bislang 184 000 Euro an Missbrauchsopfer. Die Zahlungen betrugen je nach Fall zwischen 3000 und 15 000 Euro, teilte ein Sprecher mit. Bisher seien 39 Fälle angezeigt worden. Das Bistum Trier (1,5 Millionen Katholiken) hatte im Februar 2013 insgesamt 56 Anträge von Opfern sexueller Übergriffe bewilligt und mehr als 280 000 Euro bezahlt. Die höchste bekannte Summe an ein Opfer habe sich auf 18 000 Euro belaufen, sagte ein Sprecher in Trier.

Im Erzbistum Berlin (402 000 Katholiken) bekamen bislang zwölf Opfer Geld: Insgesamt 53 000 Euro. Angaben zu den einzelnen Summen machte ein Sprecher nicht. 13 Personen hätten Anträge gestellt.

Das Bistum Limburg (650 000 Katholiken) zahlte nach früheren Angaben mindestens 91 000 Euro an 24 Opfer. Die einzelnen Beträge lagen zwischen 3000 und 15 000 Euro, sagte der Bistumssprecher. Das Bistum Fulda (406 000 Katholiken) entschädigte alle bekannten Opfer nach Angaben von Anfang Januar 2013 mit mindestens 37 500 Euro. Beträge zwischen 1000 und 8000 Euro seien geleistet worden.

Die deutschen Bischöfe hatten Ackermann vor etwa vier Jahren mit der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals betraut. Er sehe fast alle seine Aufgaben als abgearbeitet an, sagte er: Eine Telefon-Hotline für Opfer, Entschädigungszahlungen, ein umfassendes Präventionskonzept und überarbeitete Leitlinien.

Nun stehe noch die wissenschaftliche Aufarbeitung des Skandals aus. Nachdem die Zusammenarbeit mit dem Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer Anfang 2013 gescheitert war, solle das Forschungsprojekt in einem zweiten Anlauf Anfang 2014 "unter Dach und Fach" sein, sagte Ackermann.

Präventionsseite der deutschen Bischofskonferenz