Berlin (SID) - Angeführt vom ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger haben mehrere Prominente das deutsche Olympiateam aufgefordert, sich während der Olympischen Winterspiele in Sotschi (7. bis 23. Februar) für die Rechte Homosexueller einzusetzen. Unter anderem unterzeichneten neben Zwanziger auch der Journalist Günter Wallraff, der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske, die Musikerin Nina Hagen sowie Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, den vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD) initiierten "Sotschi-Freiheitsappell".

"2014 können Sie in Sotschi ein Zeichen setzen: Die Olympische Charta verbietet politische Demonstrationen an den olympischen Stätten, aber selbstverständlich gilt für Sie als Athletinnen und Athleten oder Betreuerinnen und Betreuer auch in Sotschi das Recht auf freie Meinungsäußerung", hieß es in der Erklärung.

Gastgeber Russland steht unter anderem wegen eines umstrittenen Anti-Homosexuellen-Gesetzes in der Kritik. Zuletzt hatte Staatspräsident Wladimir Putin erklärt, man werde alles dafür tun, "um sicherzustellen, dass sich Athleten, Fans und Gäste bei den Olympischen Spielen wohlfühlen, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft, der Rasse oder der sexuellen Ausrichtung".

In seinem Appell schlug der LSVD folgende Formel vor, mit der die deutschen Athleten ihre Solidarität erklären sollen: "Als ein freier Mensch sage ich: In einem Land, das Lesben und Schwule unterdrückt, bin auch ich ein Schwuler, bin auch ich eine Lesbe. Denn ich stehe ein für das Recht aller Menschen auf Meinungsfreiheit, auf Gleichbehandlung und auf Respekt für ihre Liebe. Unterdrückung und Gewalt gegen eine Minderheit dagegen machen uns alle unfrei. Die Zensur? und Unterdrückungsgesetze müssen weg. Jede Gesellschaft gewinnt, wenn unsere lesbischen Schwestern und unsere schwulen Brüder ebenfalls frei, gleichberechtigt und respektiert leben können."

Christian Klaue, Pressesprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), verwies auf SID-Anfrage auf eine gemeinsame Erklärung des DOSB und des LSVD nach einem Treffen im Oktober. Darin hatte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper erklärt, selbstverständlich gelte für die deutsche Olympiamannschaft und alle anderen Athletinnen und Athleten in Sotschi grundsätzlich das Recht der freien Meinungsäußerung.

Beachtet werden müsse lediglich ein eigens für die Wettkampfstätten und Olympischen Dörfer zum Schutz der Veranstaltung geltendes Neutralitätsgebot. Dieses helfe, die Spiele nicht zur Bühne für die zahllosen weltweiten politischen, religiösen oder ethnischen Konflikte werden zu lassen und deshalb demonstrative Gesten, Bekleidung oder Banner untersage.

Zudem hatten DOSB und LSVD ein weiteres Treffen nach den Spielen in Sotschi vereinbart.