Berlin (dpa) - Mit ihren Kaufentscheidungen haben es die Kunden aus Sicht von Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in der Hand, dass mehr Bio-Lebensmittel in die Läden kommen.

"Der Verbraucher bestimmt am Ende, was produziert wird", sagte Friedrich am Donnerstag vor der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin. "Man muss nur bereit sein, dafür auch den entsprechenden Preis zu bezahlen." Er sei überzeugt, dass Öko-Produkte noch günstiger würden. Insgesamt müssten sich Verbraucher wegen der starken globalen Nachfrage aber auf höhere Nahrungspreise einstellen. Zum Start der weltgrößten Branchenschau an diesem Freitag wird scharfe Kritik an der Massentierhaltung laut.

"Es ist zu erwarten, dass die weltweit steigende Nachfrage, insbesondere aus den aufstrebenden Regionen Asiens, sich auf die Lebensmittelpreise auswirkt", sagte Friedrich der dpa. Einfluss hätten aber auch andere Faktoren wie Energiekosten. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte: "Die Zeit ist vorbei, in der Lebensmittel die Inflationsbremse per se waren." Die Nahrungspreise würden aber auch "nicht durch die Decke gehen". Zum Beispiel beim Preis von Backwaren hätten die Agrarrohstoffe nur einen geringen Anteil.

Im vergangenen Jahr verteuerten sich Lebensmittel in Deutschland laut Statistischem Bundesamt um 4,4 Prozent im Vergleich zu 2012 - das war deutlich stärker als der Anstieg der allgemeinen Verbraucherpreise um 1,5 Prozent. Besonders drastisch fielen Steigerungen bei Kartoffeln (plus 28,7 Prozent), Äpfeln (+ 14,9 Prozent) oder Butter (+ 16,1 Prozent) aus, wie die Behörde am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.

Ein Bündnis aus Umweltorganisationen, Öko- und Kleinbauernverbänden prangerte Missstände in der Nutztierhaltung an: "Wir müssen weg von der Hochleistungszucht, wo Masthühner nicht mehr laufen können und Turbokühe leistungsbedingt krank werden und früh sterben."

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) rief die Branche auf, die Verantwortung für eine gesunde und saubere Nahrungsproduktion ernst zu nehmen. "Es ist gut, wenn Verbraucher heute beim Einkauf auch an die Bedingungen denken, unter denen Tiere gehalten werden."

Friedrich wandte sich gegen Pauschalkritik: "Es kommt nicht darauf an, wie viele Tiere in einem Stall stehen, sondern wie es dem einzelnen Tier geht und welche Bedingungen es hat." Zurückhaltend äußerte sich der Minister zu einer stärkeren Rolle von Gentechnik in der Landwirtschaft. Wenn die Verbraucher und Bauern gentechnisch veränderte Produkte nicht wollten oder zumindest sehr skeptisch seien, sollte dies für die Politik ein wichtiges Kriterium sein.

Die 79. Ausgabe der Grünen Woche soll am Donnerstagabend in Berlin eröffnet werden. Bis 26. Januar präsentieren sich in den Hallen unter dem Funkturm 1650 Aussteller aus Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und Gartenbau - so viele wie seit 15 Jahren nicht. Partnerland ist diesmal Estland. Für Besucher öffnet die Messe an diesem Freitag.

Die Branche geht zuversichtlich in ihren Jahresauftakt. Gute Ernten und gestiegene Einkommen ließen das Konjunkturbarometer des Deutschen Bauernverbands auf den höchsten Wert seit drei Jahren steigen. Der Export von Lebensmitteln und Agrarprodukten aus Deutschland erreichte im vergangenen Jahr den Rekordwert von 71,3 Milliarden Euro, wie die Ausfuhragentur Gefa mitteilte.