Hamburg (SID) - Motorsportberater Helmut Marko (70) von Sebastian Vettels Weltmeister-Team Red Bull hat gelassen auf den anstehenden Prozess gegen Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone reagiert. "Es gilt die Unschuldsvermutung", sagte der Österreicher dem SID: "Bis zu einem Urteil können drei bis vier Jahre vergehen. Das sind natürlich keine lustigen Umstände, aber bis zu einem Urteil bleibt er unser Ansprechpartner."

Marko rechnet nicht damit, dass Red-Bull-Teamchef Christian Horner Ecclestone als Chefvermarkter der Rennserie beerben wird. "Christian Horner hat bei uns einen langfristigen Vertrag", sagte Marko, "es liegen keine Anfragen für ihn vor".

Horner, der Vettel zu vier WM-Titeln in Serie geführt hat, wird immer wieder als Nachfolger von Ecclestone ins Gespräch gebracht, sollte der Brite von seinem Posten als zurücktreten müssen.

RTL-Experte Christian Danner glaubt nicht daran, dass Ecclestone seinen Posten freiwillig räumt. "Ganz sicher nicht. Das halte ich auch nicht für nötig", sagte der ehemalige Rennfahrer dem SID: "Er gilt so lange als unschuldig, bis seine Schuld nachgewiesen wird. Wir müssen abwarten, was passiert. Das Gericht wird die offenen Fragen klären. In einem Rechtsstaat muss auch so eine schillernde Persönlichkeit wie Bernie Ecclestone wie jeder andere auch behandelt werden." Ex-Weltmeister Niki Lauda wollte den Vorgang auf SID-Anfrage nicht kommentieren.  

Am Donnerstag hatte das Landgericht München bekannt gegeben, dass sich Ecclestone ab Ende April wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue vor Gericht verantworten muss. Ecclestone soll dem früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld im Zuge des Verkaufs von Formel-1-Anteilen der BayernLB an den britischen Investor CVC gezahlt haben.

Der mittlerweile zu achteinhalb Jahren Haft verurteilte Gribkowsky hatte Ecclestone in seinem Prozess schwer belastet. Ecclestone bestreitet die Vorwürfe und behauptet, von Gribkowsky erpresst worden zu sein. Gribkowsky soll Anspielungen gemacht haben, Ecclestones undurchsichtiges Geschäftsmodell den britischen Steuerbehörden zu melden.

Ecclestones Anwälte wiesen die Vorwürfe erneut zurück. "Es verbleibt dabei: Die behauptete Bestechung gab es nicht. Die auf der Erklärung von Herrn Dr. Gribkowsky beruhenden Anklagevorwürfe sind unzutreffend und ergeben angesichts der bestehenden Tatsachen kein schlüssiges Bild", hieß es in einer Mitteilung: "Die in der anstehenden Hauptverhandlung zu klärenden tatsächlichen und rechtlichen Fragen sind zahlreich und aufwändig: Es müssen weitere Zeugen gehört und neues Beweismaterial gesichtet werden."