Berlin (SID) - Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportauschusses im Deutschen Bundestag, plant keine Reise zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi (7. bis 23. Februar). Für sie sei es entscheidend, welche Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zu Oppositionellen und politischen Entscheidungsträgern eine solche Reise ermöglichen würde, sagte die gerade in ihrem Amt bestätigte SPD-Politikerin der WAZ.

"Besteht keine Möglichkeit dazu, sollte man auf eine Reise verzichten - ausschließlich als Claqueur auf der Tribüne zu sitzen, ist für mich als Abgeordnete keine Alternative", sagte Freitag, die am Mittwoch im Amt der Vorsitzenden bestätigt worden war.

Einem generellen Boykott der ersten Winterspiele in Russland würde sich die 60-Jährige nicht anschließen. "Ich halte grundsätzlich wenig von Boykotten, das bleibt denen überlassen, die die Konfrontation suchen. Solche sportlichen Großereignisse bieten für Mandatsträger aus der Politik immer die auch die Möglichkeit, Gespräche mit Regierungsvertretern und auch deren Kritikern zu führen. Man muss es entsprechend nachdrücklich einfordern", sagte Freitag.

Die deutsche Bevölkerung indes zeigte mehr Verständnis für einen Boykott. Bei einer repräsentativen Umfrage des Sport-Informations-Dienstes (SID) durch das Nürnberger Marktforschungsinstitut puls sprachen sich 51 Prozent der Befragten gegen Olympia-Besuche hochrangiger deutscher Politiker aus, nur 38 Prozent sind dafür. 50 Prozent der Befragten gaben an, dass sie einen Boykott wegen der problematischen Menschenrechtssituation durch Nationen durchaus befürworten würden. Nur 39 Prozent lehnen dies ab.