Berlin (dpa) - Beim Kampf gegen den Hunger auf der Erde müssen der Klimawandel und die Folgen für die Natur aus Sicht internationaler Experten stärker in den Blick. "Die Welt braucht mehr Nahrungsmittel", sagte der Direktor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, am Rande der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin. Deutliche Steigerungen der Produktion könne man sich in den heutigen Agrarsystemen aber nicht mehr leisten, erklärte Steiner und verwies auf den hohen globalen Wasserverbrauch.

Bundesagrarminister Hans-Peter Friedrich (CSU) machte sich für mehr Pflanzenforschung stark. In Berlin demonstrierten Zehntausende Menschen für mehr Tier- und Naturschutz in der Landwirtschaft.

Der Klimawandel werde Landwirtschaft in manchen Regionen erschweren, sagte Weltbank-Vizepräsidentin Rachel Kyte anlässlich einer Konferenz zur Grünen Woche. So drohten Hitze und stärkere Dürren im südlichen Afrika oder extreme Wetterverhältnisse in Südostasien. Betroffene Bauern müssten sich wappnen können, zum Beispiel passende widerstandsfähige Maissorten zu pflanzen. Entscheidend sein werde auch, inwiefern die Erderwärmung noch begrenzt werden könne.

Friedrich sagte, lokale Pflanzensorten könnten durch konventionelle Züchtung "noch leistungs- und widerstandsfähiger gemacht werden". Kleinbauern in ärmeren Ländern müssten Zugang zu Saatgut haben. Neben Hunger sei auch Mangelernährung durch zu einseitige Kost ein Problem. Davon seien nach UN-Angaben rund zwei Milliarden Menschen betroffen. Über die Sicherung der Welternährung berieten Regierungsvertreter aus rund 70 Ländern am Samstag in Berlin am Rande der Messe.

Anlässlich der Grünen Woche gingen in der Hauptstadt Zehntausende Menschen für besseren Tier- und Klimaschutz in der Landwirtschaft auf die Straße. Unter dem Motto "Wir haben Agrarindustrie satt" forderten sie von der Bundesregierung eine politische Wende. Auf Transparenten hieß es "Kein Gen-Food" oder "Gegen Wachstumswahn". Die Veranstalter sprachen von 30 000 Teilnehmern, rund 70 Traktoren seien mitgerollt.

Friedrich begrüßte es, dass die Demonstranten ihre Meinung sagten. Über den Weg zu einer guten Landwirtschaft gebe es verschiedene Ansichten. Auf dem Messegelände kletterten einige Protestierende auf den Funkturm und entrollten dort ein Transparent.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch forderte die internationalen Agrarminister auf, drastische Preissprünge bei Lebensmitteln zu verhindern. "Wer den Hunger in der Welt bekämpfen will, kann nicht gleichzeitig Biosprit fördern und die Spekulation mit Nahrungsmitteln weiter laufen lassen", sagte Geschäftsführer Thilo Bode der Nachrichtenagentur dpa.

Friedrich meinte mit Blick auf die Energiewende in Deutschland, er sehe momentan keine so dramatische Flächenkonkurrenz zwischen Bio-Energie und Lebensmittelproduktion, dass man eingreifen müsse.

Besucher-Infos Grüne Woche