Stockholm (dpa) - Auch am Tag nach dem Abbruch-Chaos von Stockholm standen Spieler und Funktionäre des 1. FC Union noch unter Schock.

Der Berliner Fußball-Zweitligist musste beim Testspiel bei Djurgardens IF in Stockholm miterleben, "wie Dummheit sehr vielen Menschen ein langersehntes Erlebnis zerstört hat", erklärte Clubpräsident Dirk Zingler: "Auf eine dumme Provokation folgte eine dumme Reaktion, so dass die Partie, die von beiden Seiten mit großem Engagement vorbereitet wurde, in einem Desaster endete." Auch mitgereiste deutsche Polizisten konnten das Chaos nicht verhindern.

Die Partie zwischen den beiden Vereinen, die eine Kooperation anstreben, war in der 73. Minute beim Stand von 1:1 (1:0) abgebrochen worden, nachdem Anhänger beider Clubs wiederholt Pyrotechnik gezündet hatten und auf den Rasen vorgedrungen waren. Schon vor dem Anpfiff hatte ein Teil der gut 1000 mitgereisten Union-Anhänger den Platz gestürmt - im Block der Djurgardens-Fans war ein Transparent des Berliner Erzrivalen BFC Dynamo hochgehalten worden. Daraufhin rannten Stockholm-Fans auf das Spielfeld und zündeten Böller, die Löcher in den Kunstrasenplatz brannten. Nur das besonnene Verhalten der schwedischen Polizei verhinderte eine Eskalation.

"Der 1. FC Union Berlin und Djurgardens IF werden die Ereignisse gemeinsam aufarbeiten und alles daran setzen, die Straftäter zu ermitteln", betonte der 1. FC Union in einer Presseerklärung. Der Berliner Club wolle alles dafür tun, um die Randalierer bestrafen zu können. "Wir brauchen konkrete Straftäter, um eigene Maßnahmen einzuleiten. Ermittlungen kann aber nur die Polizei führen", sagte Pressesprecher Christian Arbeit in Stockholm.

"Es gibt keine Erkenntnisse über Verletzte und Verhaftungen", berichtete Arbeit. Nach dem Spiel hatte es in der Tele2Arena noch ein gemeinsames Abendessen beider Teams und der Vereinsführungen gegeben. "Es ist sehr traurig, was passiert ist. Wir werden es aufarbeiten und die Kooperation fortsetzten", sagte Nico Schäfer, der kaufmännisch-organisatorische Leiter der 1. FC Union.

Der Imageschaden ist groß, auch weil sich die "Eisernen" seit Jahren für einen Entspannungs-Kurs in der Fanpolitik stark machen. So lehnte Union das DFL-Sicherheitspapier ab, in dem unter anderen schärfere Maßnahmen und Sanktionen für Randalierer festgeschrieben wurden. "Jeder einzelne daran Beteiligte muss sich bewusst sein, dass er seinem Verein großen Schaden zugefügt hat", betonte Clubchef Zingler in Richtung der Randalierer.

"Es ist eine Katastrophe für den Fußball in Schweden, Deutschland und Europa", kommentierte Djurgardens-Sportdirektor Bosse Andersson die Ausschreitungen. Minutenlang beschossen sich Chaoten aus dem Union- und Djurgardens-Lager mit Leuchtraketen. Fackeln bedrohten die Spieler auf dem Feld und die friedlichen der 8000 Zuschauer. Qualm und schwarzer Rauch sorgten in der geschlossene Arena für eine beängstigende Atmosphäre.

"Es ist ein trauriger Tag für den Fußball und beide Vereine sind dafür verantwortlich", räumte Andersson ein. Nach dem Abbruch waren schwedische Fans nochmals auf den Platz gestürmt und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Berliner Spieler hatten immer wieder versucht, die Störer zu beruhigen. Auch innerhalb der Union-Szene wehrten sich Fans gegen die rund 150 Randalierer und riefen: "Wir sind Unioner - und ihr nicht."