Genf (dpa) - Die Konfliktparteien im syrischen Bürgerkrieg wollen nach der historischen ersten Zusammenkunft in Genf über einen Gefangenenaustausch verhandeln.

Die am Samstag begonnenen direkten Verhandlungen sollen am heutigen Vormittag fortgesetzt werden. Die Opposition beharrt darauf, auch über die Bildung einer Übergangsregierung in dem Bürgerkriegsland zu reden. UN-Vermittler Lakhdar Brahimi sprach von einem schwierigen Auftakt der kleinen Schritte.

Nach fast drei Jahren Bürgerkrieg gibt es erstmals Hoffnung für die verzweifelten Menschen in Syrien. Trotz erheblicher Probleme vor den Genfer Friedensgesprächen kamen die Delegationen von Regierung und Opposition am Samstag zu Verhandlungen in einem Raum zusammen.

Ihr erstes Thema war Hilfe für die hungernden Menschen in der Stadt Homs. Er hoffe, dass man sich schon bald auf Hilfslieferungen für die Menschen einigen werde, erklärte Brahimi. Die Einzelheiten dieser Vereinbarungen würden danach allerdings in Homs unter Beteiligung des Provinzgouverneurs und der Vereinten Nationen besprochen.

UN-Vermittler Brahimi war am Samstag zu einer Art Pendeldiplomatie auf engstem Raum gezwungen. Für die Vertreter der verfeindeten Lager wurden zwei getrennte Tische in den Verhandlungssaal gestellt. "Sie haben am Nachmittag miteinander gesprochen, das heißt, nein, sie haben mit dem Umweg über mich miteinander gesprochen", erläuterte Brahimi.

Die Opposition hatte vorher erklärt, man werde am Sonntag oder Montag bereits über die Bildung einer Übergangsregierung sprechen. Dies ist aus Sicht der Delegation von Präsident Baschar al-Assad das heikelste Thema. Brahimi wollte diese Ankündigung nicht im Detail kommentieren.

Am Nachmittag ging es konkret um die Frage, wo es zuerst eine Waffenruhe geben soll. Die Opposition schlug die Stadt Homs vor, da die Menschen dort seit November 2012 weitgehend von der Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten abgeschnitten sind. Beobachter vermuteten außerdem, die Opposition habe diesen Vorschlag gemacht, weil sie auf die Rebellen in Homs mehr Einfluss hat als etwa auf die Kampfverbände in der Stadt Aleppo. Syriens Außenminister Walid al-Muallim hatte bei einem Besuch in Moskau vor einigen Tagen eine mögliche Waffenruhe für Aleppo ins Gespräch gebracht.

Brahimi betonte zu Beginn nach Angaben aus Delegationskreisen, Ziel der Verhandlungen sei es, den blutigen Konflikt in Syrien zu beenden. Außerdem wies er erneut darauf hin, dass die sogenannte Genf-1-Vereinbarung die Grundlage der Gespräche sei. Diese Vereinbarung vom Juni 2012 sieht auch die Bildung einer Übergangsregierung unter Beteiligung der Opposition vor. Dagegen hatte die Delegation von Präsident Assad mehrfach Vorbehalte geäußert.