Jerez (dpa) - Von fast 200 Runden wie vor einem Jahr kann Sebastian Vettel bei seinem Start in die neue Titelmission nur träumen. Der viermalige Formel-1-Weltmeister erlebte ein Desaster bei den Testfahrten im spanischen Jerez de la Frontera.

Mickrige acht Runden leuchteten auf dem Monitor für den Red-Bull-Piloten auf. Zweieinhalb Stunden vor Ende der Proberunden am zweiten Testtag stand fest: Vettel fährt nicht mehr. Schon zur Mittagspause hatte der Heppenheimer den Rennoverall gegen die Zivilkluft getauscht. Die Bilanz nach mehr Warten als Fahren: Elf Runden, 48,708 Kilometer. Zwei Tage zum Vergessen für den Hessen.

Als er seinen neuen RB10 in der Box abstellte, stieg schon wieder Rauch aus dem Wagen. Schon am Vortag hatte er gebrannt - nach gerade mal drei Runden. Probleme am Hybridsystem von Partner Renault stoppten Vettel diesmal. Am Vortag hatte er wegen einer falsch montierten Feder fast acht Stunden auf seinen Kurzeinsatz warten müssen. Im Vergleich dazu: Vor einem Jahr hatte er mit dem damals neuen RB9 zum Auftakt 102 Runden gedreht, an seinem zweiten Tag 96.

Die diesjährigen Testfahrten in Jerez sind für Vettel beendet. Am Donnerstag und Freitag soll sein neuer Teamkollege Daniel Ricciardo aus Australien ans Steuer. Bis dahin soll auch ein neues umfangreicheres Hybridsystem ERS eingebaut sein, das in diesem Jahr für 160 Zusatz-PS für 33,3 Sekunden pro Runde sorgt. Wenn es funktioniert.

In diesem Jahr treten alle Teams nach der größten technischen Reform der Formel-1-Geschichte mit komplett neuen Autos an. Problemlos kam kein Rennstall über die ersten beiden Testtage in Jerez. Vettel erwischte es aber unterm Strich mit am Schlimmsten. Schon am Vortag schlug Stardesigner Adrian Newey die Hände überm Kopf zusammen, als der Wagen brannte. Die Köpfe werden länger rauchen.

"Im Moment ist die Lernkurve sehr, sehr steil", hatte Vettel bereits Dienstag gesagt: "Von Tag zu Tag, von Woche zu Woche." Anderthalb Monate bleiben noch, in denen er noch vier Tage testen darf. Vom 19. bis 22. Februar steigt die zweite Phase, vom 27. Februar bis 2. März die dritte und letzte. Die Saison startet am 16. März mit dem Großen Preis von Australien.

Auf die Frage, wie viele Autos seiner Meinung nach dann ins Ziel kommen angesichts der riesigen Herausforderungen, hatte er lachend geantwortet: "Die Hälfte?" Im Moment muss Vettel, der die letzten neun Rennen der vergangenen Saison in souveräner Manier gewonnen hatte, hoffen, dass auch er dazugehört.