Ankara/Pretoria (dpa) - Im Kampf gegen den Verfall der heimischen Währung hat die türkische Notenbank die Leitzinsen auf einen Schlag mehr als verdoppelt.

Mit der Erhöhung von 4,50 auf 10,00 Prozent will sie den Abfluss internationaler Investorengelder stoppen und die Inflation im Zaum halten. An den Finanzmärkten konnten sich die Währungen auch anderer Schwellenländer am Mittwoch aber nur kurzfristig erholen, die Wirkung verpuffte weitgehend. Notenbanken aufstrebender Wirtschaftsnationen wie Indien und Brasilien stemmen sich gegen ebenfalls den Absturz ihrer Währungen. Auch Südafrika hob die Leitzinsen an.

Viele Experten hatten den Schritt der türkischen Notenbank vom Dienstagabend als überfällig angesehen, in seiner Heftigkeit kam er aber doch überraschend. In den zurückliegenden zwölf Monaten war der Lira-Kurs zum Dollar und zum Euro um rund ein Viertel gesunken.

Nach dem spektakulären Zinsschritt machte die türkische Lira zwar im Verhältnis zum US-Dollar den größten Kurssprung seit 2008. Zuletzt notierte sie jedoch deutlich schwächer. Auch anderen Schwellenländer-Währungen erging es nicht besser. "Im Augenblick scheint die Jagd auf die Währungen der Schwellenländer eröffnet zu sein", sagte der Analyst Robert Halver von der Baader Bank.

Die Stimmung an den Märkten kippte vollends ins Negative, nachdem auch Südafrika die Erhöhung der Leitzinsen bekanntgab, und zwar um 0,5 Punkte auf 5,5 Prozent. Der südafrikanische Rand beschleunigte seine Talfahrt und fiel mit mehr als 11 Rand je US-Dollar auf den tiefsten Stand seit Herbst 2008. In der Folge sackte auch der russische Rubel auf ein Rekordtief gegenüber einem Korb wichtiger Währungen. Die Notenbank Südafrikas begründete ihre Entscheidung auch damit, dass ein anhaltender Kursverlust der Währung die Inflation weiter anheizen könnte und verwies auf Wachstumsrisiken. Aktuell steigen die Verbraucherpreise um etwas mehr als fünf Prozent.

Erschwerend für Südafrika, die Türkei und viele andere Schwellenländer kommt der Kurswechsel der US-Notenbank Fed hinzu. Weil die Fed ihre Flut des billigen Geldes langsam drosselt, ziehen Investoren in großem Maßstab Mittel aus den Regionen ab, die in den vergangenen Jahren von der Liquiditätsschwemme profitiert hatten. Allein die Aussicht auf einen Schwenk der Fed in Washington hatte schon im Herbst für heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten der Schwellenländer gesorgt. Am Mittwochabend standen wichtige Entscheidungen der US-Notenbank an, die Börsen gerieten deshalb zunehmend in die Defensive.

Im Falle des einstigen Boomlandes Türkei kommen hausgemachte Probleme hinzu. Der Korruptionsskandal im Land hat einen Machtkampf losgetreten, die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan steht mit dem Rücken zur Wand. Hinzu kommt die starke Abhängigkeit des Landes von ausländischem Kapital, was sich in hohen Handelsdefiziten spiegelt. Die Inflation liegt gegenwärtig mit 7,4 Prozent auf hohem Niveau.

Notenbankchef Erdem Basci hatte angesichts der zuletzt schwachen wirtschaftlichen Entwicklung in der Türkei die Leitzinsen bisher niedrig gehalten. Vor der spektakulären Krisensitzung am Dienstag hatte die Notenbank bereits zaghaft an einzelnen Schrauben gedreht.