Jerez (dpa) - Sebastian Vettels neuer Stallrivale ist sofort gefragt. Nach dem völlig verkorksten Testauftakt des viermaligen Formel-1-Weltmeisters muss Daniel Ricciardo die verpassten Kilometer aufholen.

Doch auch am Donnerstag erstmal das gewohnte Bild auf dem Circuito de Jerez: Fast alle fuhren, nur Red Bull nicht. "Honigdachs" Ricciardo blieb erstmal in seinem Bau. Dabei will der Australier mit dem breiten Grinsen so schnell wie möglich beweisen, was in ihm steckt: "Ich bin nicht der Weltmeister, aber auf der anderen Seite sicher, dass ich gleich behandelt werde. Ich habe mir meinen Platz im Team auch verdient."

Seinen Platz im neuen Auto konnte der Aufsteiger vom B-Team Toro Rosso an seinem ersten Testtag nicht direkt einnehmen. Die Tore zur Red-Bull-Box waren zunächst mal wieder verschlossen, dahinter dürfte mit Hochdruck weiter am RB10 geschraubt worden sein. "Wichtig ist, dass wir die Zeit hier in Europa nutzen, damit dann in Bahrain im Idealfall alles tadellos funktioniert", hatte Vettel in einer seiner ausgiebigen Zwangspausen über die Arbeit am RB10 gesagt.

Der Wagen, mit dem Vettel seinen fünften Titel in Serie holen will. Der Wagen, mit dem Ricciardo selbst auch vorne mitfahren will. Teamchef Christian Horner hält ihn für einen Siegfahrer. "Ich kenne keinen Grund, warum nicht", sagte er: "Aber das wird die Zeit zeigen - wenn wir ihm ein siegfähiges Auto hinstellen."

Ricciardos beste Platzierungen in 50 Grand Prix waren bislang zwei siebte Ränge (China und Italien) in der vergangenen Saison. Dennoch hofft der Nachfolger von Mark Webber "näher dran" an Vettel zu sein, als es sein Landsmann zuletzt war. Er sei nicht darauf eingestellt, dass Vettel ihm "den Arsch versohlt", sagte Ricciardo bereits. "Die Leute nennen es Druck, aber für mich ist es eher Spannung und Adrenalin", betonte er in Jerez.

Zusammen soll dem neuen Duo die 13 Glück bringen - Vettel trägt die 1 des Titelverteidigers, Ricciardo entschied sich für die 3. Auf dem Helm des 24-jährigen Australiers, der zwei Tage vor dem zwei Jahre älteren Vettel (3. Juli) Geburtstag hat, prangt hinten zudem das Bild eines Honigdachses. Seinem Lieblingstier.

"Es soll das furchtloseste Tier im Tier-Königreich sein", sagte er. Wenn man es ansehe, sei es ziemlich niedlich und knuddelig, "aber sobald jemand in sein Territorium eindringt, wie es das nicht will, wird es ein bisschen wie ein Wilder", beschrieb Ricciardo den Honigdachs. Selbst vor Pythons und Tigern würde der "gute Kerl" nicht zurückschrecken.

So wie Ricciardo sich trotz großen Respekts und nicht minder riesiger Wertschätzung von den Erfolgen des immer-sieghungrigen Vettel nicht einschüchtern lassen will. "Hoffentlich kann ich ihn herausfordern", sagte er.