Frankfurt/Main (dpa) - Deutsche Standardaktien haben am Donnerstag nach Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi einen Großteil ihrer vorherigen Gewinne eingedampft.

Zuletzt lag der Leitindex Dax 0,43 Prozent höher bei 9156 Punkten nach einem Tageshoch von 9234 Zählern. Der MDax gewann 0,77 Prozent auf 16 191 Punkte und der TecDax kletterte um 0,72 Prozent nach oben auf 1208 Punkte. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 legte um 0,75 Prozent zu.

Draghi hatte auf der Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank gesagt, er sehe keine Deflation, auch wenn die Inflation gering sei. Dies habe Hoffnungen auf weitere Stützungsmaßnahmen der Notenbank für die Wirtschaft gedämpft, sagte ein Börsianer. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank EZB den Leitzins wie erwartet bei 0,25 Prozent belassen. Direkt nach dem Zinsentscheid reduzierte der Dax abrupt rund die Hälfte seines vorherigen Gewinns, beulte die Delle aber Minuten später wieder komplett aus.

Jan Holthusen, Leiter Anleihenresearch der DZ Bank, kommentierte: "Dass die EZB heute keine neuen Maßnahmen beschlossen hat, hat einige Marktteilnehmer überrascht." Deflationssorgen aufgrund niedriger Inflationsraten sowie ein leichter, der EZB unwillkommener Aufwärtsdruck auf die Geldmarktnotierungen hatten dem Experten zufolge die Erwartungen geschürt, dass die EZB etwas tun würde.

Beobachter erwarten nun im März den nächsten Zinsschritt: Dann veröffentlichen die Währungshüter neue Wachstums- und Inflationsprognosen. Bisher prognostiziert die EZB für 2014 eine Teuerung von 1,1 Prozent. Sollte sie diese nach unten korrigieren, wären die Notenbanker aus Sicht von Experten schon fast zum Handeln gezwungen.

Auf Unternehmensseite reagierten die Daimler-Aktien mit einem Plus von 2,56 Prozent sehr positiv auf die Quartalsbilanz des Autobauers und gehörten zu den Dax-Favoriten. Die Stuttgarter haben 2013 ihre selbstgesteckten Ziele beim Ergebnis übertroffen.

Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern und Umsatz schlugen sie auch die Analystenerwartungen. Noch besser schnitten die Anteilsscheine von K+S ab mit einem Kursgewinn von 3,08 Prozent. Händler verwiesen auf positive Nachrichten zum zuletzt schwierigen Kalidüngermarkt.

Die T-Aktie zog um 1,44 Prozent an. Börsianer verwiesen auf Medienberichte, wonach der US-Mobilfunkanbieter Sprint Nextel Fortschritte bei der Finanzierung einer möglichen Übernahme von T-Mobile US gemacht habe. Den Deal wolle Sprint womöglich bei der Vorlage seiner Geschäftszahlen in der nächsten Woche bekannt geben. Die Aktie von T-Mobile US hatte am Vorabend in New York um 5,38 Prozent zugelegt.

Bis zum Mittag konnten die Papiere von HeidelbergCement ihre anfänglichen Verluste komplett abbauen und standen zuletzt 0,74 Prozent im Plus. Vor allem ein starker Euro hatte beim Baustoffkonzern im Schlussquartal für starken Gegenwind gesorgt. Die Aktien der Gea Group verloren nach vorläufigen Jahreszahlen 2,88 Prozent und waren damit Schlusslicht im MDax. Börsianer sprachen von einem enttäuschenden Ausblick.

Sky Deutschland schnellten nach Zahlen um gut fünf Prozent nach oben. Der Bezahlsender hat 2013 wie geplant zum ersten Mal operativ Geld verdient. Im laufenden Jahr peilt Vorstandschef Brian Sullivan weiter ein "anhaltend hohes" Erlösplus an. Die Papiere von Wacker Chemie reagierten mit plus 4,41 Prozent ebenfalls deutlich positiv auf die vorläufigen Jahreszahlen. Vor allem der Gewinn des Spezialchemieunternehmens und Halbleiter-Zulieferers überraschte laut Händlern trotz des deutlichen Rückgangs positiv.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,34 (Vortag: 1,31) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,13 Prozent auf 134,43 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,21 Prozent auf 143,76 Punkte. Der Euro fiel nach der EZB-Zinsentscheidung unter die Marke von 1,35 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3495 (Mittwoch: 1,3543) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7410 (0,7384) Euro.