Berlin (dpa) - Internetsperren sorgen immer wieder für heftige Diskussionen. Staaten wie China oder der Iran schränken das Internet für ihre Bürger massiv ein. Aber auch in Deutschland wurden Netzsperren vor rund drei Jahren heftig diskutiert - und letztlich abgelehnt.

Die Türkei will nun ihre Internetsperren verschärfen. Wer im Land Websites wie YouTube aufrufen will, trifft bereits jetzt auf ein Warnschild.

Solche Sperren sollen künftig ohne richterlichen Beschluss möglich sein. Die Netzsperren lassen sich jedoch relativ leicht umgehen. Über VPN-Zugänge oder Anonymisierungsdienste wie TOR können Nutzer etwa ihren Standort verbergen. Dann können sie die vermeintlich gesperrten Seiten trotzdem aufrufen.

Auch in Deutschland gab es heftige Diskussionen um Netzsperren. Dabei ging es um die Frage, wie gegen kinderpornografische Inhalte im Internet vorgegangen werden könne.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) forderte als damalige Familienministerin, entsprechende Inhalte mit einem "virtuellen Stoppschild" zu versehen. Das Bundeskriminalamt sollte eine Liste der zu sperrenden Seiten führen. Die Internetanbieter sollten ihre Kunden dann auf andere Server umleiten.

Die Pläne stießen auf heftige Kritik; viele sahen darin einen ersten Baustein für eine mögliche Zensur des Internets in Deutschland. Das Gesetz wurde Ende 2011 endgültig gekippt.

Der türkische Ministerpräsident Erdogan will zudem Internet-Provider dazu verpflichten, Nutzerdaten für zwei Jahre zu speichern. Allerdings sieht eine EU-Richtline ebenfalls vor, dass Telekommunikationsanbieter ohne Anfangsverdacht Telefon- und Verbindungsdaten für mögliche Verbrechensbekämpfung speichern sollen.

In Deutschland ist diese Vorratssdatenspeicherung seit Jahren heftig umstritten. Ein entsprechendes Gesetz aus dem Jahr 2008 hatte die Speicherung für sechs Monate festlegt, wurde aber vom Bundesverfassungsgericht gekippt.