Berlin (dpa) - Der zweite deutsche Regisseur versucht sein Glück im Wettbewerb um den Goldenen Bären der 64. Berlinale. Dominik Graf tritt mit einem Liebesdrama an, in das der Dichter Friedrich Schiller verwickelt ist.

Mit Dominik Grafs Drama "Die geliebten Schwestern" ist am Samstag der zweite deutsche Film im Rennen um den Goldenen Bären der Berlinale gestartet. Graf ("Im Angesicht des Verbrechens") erzählt eine Liebesgeschichte und zugleich ein Stück deutsche Kulturgeschichte. In dem 170 Minuten langen Film geht es um den Dichter Friedrich Schiller und seine Liebe zu den Schwestern Caroline von Beulwitz und Charlotte von Lengefeld.

Die Geschichte beginnt im thüringischen Rudolstadt im Sommer 1788. Die adeligen, aber mittellosen Schwestern Caroline (Hannah Herzsprung) und Charlotte (Henriette Confurius) haben sich geschworen, alles zu teilen. Das soll auch für ihre gemeinsame Liebe zu dem aufsässigen "Räuber"-Autor Schiller (Florian Stetter) gelten. Wie lässt sich in solch einem fragilen Liebesdreieck die emotionale Balance halten?, fragt der Film.

Das Kostümdrama "Die geliebten Schwestern" ist Grafs erster abendfüllender Kinofilm seit acht Jahren. Von dem Historienfilm hat der Regisseur gleich drei verschiedene Fassungen gemacht: Auf der Berlinale ist der Film fast drei Stunden lang. Im Kino (ab Juli) wird eine 138-minütige Fassung zu sehen sein. Außerdem wird es später einen TV-Zweiteiler mit ingesamt 190 Minuten Laufzeit geben.

"Was mich von Anfang an faszinierte: Einen Film über Worte zu machen, Worte der Liebe, der Versprechen, der frohen Sehnsucht nach einem anderen bürgerlichen Leben", schreibt Graf im Presseheft zu seinem Film. "Briefe verfilmen, den Figuren beim Schreiben zuschauen, manchmal sie die Briefe auch sprechen lassen", so der Regisseur.

"Über Gefühle reden, über Liebe zu dritt reden, planen, ein wenig intrigieren, um freie Bahn zu haben. Drei kluge Menschen, jeder von ihnen kompliziert, jeder auf andere Art", erklärt Graf die Story. "Die Menschen der Vergangenheit wirken auf mich heute immer interessanter, ihre Welt ist geheimnisvoll, weit weg, folgt anderen Maximen, ihr Denken ist nicht so engstirnig wie unsriges - egal, was sie an Widerständen überwinden müssen - sie leben mit anderen Grenzerfahrungen, sie "wissen" mehr."

Am Freitag hatte auf der Berlinale bereits Edward Bergers Drama "Jack" seine Wettbewerbs-Premiere. In der Bären-Konkurrenz sind insgesamt 20 Filme, darunter vier Produktionen aus Deutschland.