Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax könnte in der kommenden Woche erneut die Marke von 10 000 Punkten ins Visier nehmen. Nach der Abkühlung des Börsenbarometers zum Jahresbeginn trauen einige Experten dem deutschen Leitindex wieder den Sprung über diese symbolische Schwelle zu.

Zugleich werden mit dem rasanten Anstieg der vergangenen Tage aber auch vorsichtige Stimmen am Markt lauter. Am Freitag konnte der Dax nach einem verhaltenen Start um 0,68 Prozent auf 9662,40 Punkte zulegen, auf Wochensicht stieg er um 3,88 Prozent. Zum Rekordhoch aus dem Januar fehlen noch 1,36 Prozent oder rund 130 Punkte.

"Die US-Notenbank sorgt weiter dafür, dass Aktien praktisch alternativlos bleiben", sagt Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research. Hintergrund ist, dass die neue Fed-Chefin Janet Yellen weitgehend Kontinuität in der lockeren US-Geldpolitik versprach. "Nun sind alle Investoren erleichtert, dass Yellen den Kurs von Vorgänger Bernanke nahtlos fortsetzt", meinte Saurenz. Der Dax sei entsprechend wieder auf einen Rekordkurs eingeschwenkt.

Auf der anderen Seite wächst bei manchen Experten jedoch die Skepsis, ob das so schnell zurückeroberte Niveau dem Index auch gut bekommt. "Fundamental betrachtet bewegen sich Dividendentitel weiterhin in dünner Höhenluft", schreibt Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen. Die Stimmung unter den Anlegern sei derzeit wechselhaft "wie sonst nur das Wetter im April". In der laufenden Berichtssaison blieben die Gewinnperspektiven deutscher und europäischer Unternehmen hinter dem zurück, was die Erholung der Frühindikatoren in den Industrieländern erwarten lasse.

Berndt Fernow von der Landesbank Baden-Württemberg sieht zudem Risiken durch die wirtschaftlichen Turbulenzen in aufstrebenden Volkswirtschaften: "Die Schwellenländer-Thematik hinterlässt inzwischen spürbare Auswirkungen in den Bilanzen unserer Großkonzerne." Der im Vergleich zu vielen anderen Währungen starke Euro verteure überdies die Exporte deutscher Firmen.

In der kommenden Woche legen neben den Dax-Schwergewichten Deutsche Börse und Henkel auch MTU, Norma, Rheinmetall und die Aareal Bank aus dem MDax Zahlen vor. Auf der Konjunktur-Agenda steht zudem der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag. Am Donnerstag dürften Anleger ein Auge auf die Einkaufsmanager-Daten aus der Eurozone und Deutschland werfen. Wichtig sind an diesem Tag auch die US-Verbraucherpreise und weitere Wirtschaftsindikatoren.