Hamburg (dpa) - Linke-Chefin Katja Kipping hat der Bundesregierung zum Auftakt des Europa-Parteitags in Hamburg "Großmachtspolitik" vorgeworfen. "Wahre Europäer verzichten auf ein Kürzungsdiktat", sagte sie.

Die Pläne der großen Koalition für ein stärkeres außenpolitisches Engagement kritisierte Kipping als militaristisch. "Am Ende läuft es auf Kriegseinsätze hinaus."

Die stellvertretende Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht verteidigte die kritische Haltung ihrer Partei gegenüber der Europäischen Union. Es gebe in ihrer Partei aber "keine Anti-Europäer". Die EU sei jedoch eine "Fassadendemokratie", die Verantwortung trage für "eine brutale Kürzungspolitik", die in den südlichen Ländern 18 Millionen Menschen in die Arbeitslosigkeit gestürzt habe.

Die Linke will sich in Hamburg inhaltlich und personell auf die Europawahl am 25. Mai vorbereiten. Über die Aufstellung der Kandidaten gibt es Streit. Die mitgliederstärkeren Ost-Verbände beanspruchen ein Übergewicht für sich, die West-Linken wollen eine gleichmäßige Verteilung der Kandidatenplätze. Von den 500 wahlberechtigten Delegierten sind nur 38 Prozent aus dem Westen.

"Eine gesamtdeutsche Linke lebt davon, dass Ost und West gleichgewichtig repräsentiert sind", mahnte Wagenknecht unmittelbar vor Beginn des Parteitags. "Die Mehrzahl unserer Mitglieder möchte eine gesamtdeutsche Linke und nicht zurück zur alten PDS." Die 44-Jährige stammt selbst aus Ostdeutschland, hat ihren Wahlkreis aber in Düsseldorf und gilt als Wortführerin des linken Parteiflügels, dem vorwiegend Westdeutsche angehören.

Kipping ging in ihrer Rede auf den Streit nicht ein, rief aber allgemein zur Einigkeit auf. "Unsere Politik ist eine Politik des gemeinsamen Handelns", sagte sie. "Wir sind die Partei ohne Mauer im Kopf."

Unstrittig ist, dass die frühere PDS-Vorsitzende Gabi Zimmer (58) Spitzenkandidaten werden soll. Für die folgenden Plätze werden Kampfkandidaturen erwartet. Die Linke war 2007 aus der ostdeutschen Linkspartei/PDS und der westdeutschen WASG gegründet worden.

Vor der Kandidatenwahl wollte die Linke am Samstagabend ihr Programm für die Europawahl beschließen. Der Parteivorstand hatte den Entwurf kurz vor dem Parteitag entschärft. Die umstrittene Formulierung, die EU sei eine "neoliberale, militaristische und weithin undemokratische Macht", wurde aus der Präambel gestrichen.

Die Linke plädiert aber weiterhin für eine grundlegende Neuausrichtung der EU: "Wir wollen einen Politikwechsel, damit die EU nicht vornehmlich Eliten an Reichtum und Macht ein Zuhause bietet, sondern sich solidarisch für alle entwickelt." Ein Gegenentwurf des linken Parteiflügels wurde nach der Einigung auf die Präambel zurückgezogen.

Die Linke hatte bei der letzten Europawahl 2009 7,5 Prozent der Stimmen erzielt. Als Ziel für die Wahl im Mai gab Parteichef Bernd Riexinger ein zweistelliges Ergebnis aus.