Bei den Straßenschlachten in Kiew sind bisher mindestens 28 Menschen getötet worden. Das teilte das ukrainische Gesundheitsministerium mit. Außerdem sollen 287 Menschen verletzt in Krankenhäuser gebracht worden sein, darunter 88 Polizisten und fünf Journalisten. Auch ein Abgeordneter des ukrainischen Parlaments sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch verteidigte die Gewalt gegen die Opposition. Die Regierungsgegner hätten Grenzen überschritten, als sie auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan zu den Waffen gerufen hatten, teilte Janukowitsch mit. Die Opposition versuche gewaltsam zu putschen, daher handele es sich um "Kriminelle, die vor Gericht gehören". Er rief die Oppositionsführer dazu auf, sich von radikalen Kräften zu distanzieren.

Am Donnerstag ist Frank-Walter Steinmeier (SPD) nach Kiew geflogen, um mit den sich gegenüberstehenden Parteien zu verhandeln. Begleitet wird er von seinem Amtskollegen aus Frankreich, Laurent Fabius, und dem polnischen Außenminister Radoslaw Sikorsk. Zuerst wollen sich die drei mit den ukrainischen Oppositionsführern Arseni Jazenjuk, Oleg Tiagnibok und Vitali Klitschko treffen. Danach wollen die Minister Staatschef Janukowitsch im Marienpalast treffen.

Schwerste Ausschreitungen seit Ende der Sowjetunion

Noch in der Nacht zum Mittwoch traf sich Janukowitsch mit dem Oppositionspolitiker Vitali Klitschko zu einem Krisengespräch. Bei dem Treffen habe man sich nicht auf eine friedliche Lösung der Krise verständigen können, teilte Klitschko über die Online-Zeitung Ukrainska Prawda mit. Die Forderungen nach einem Ende des Polizeieinsatzes auf dem Unabhängigkeitsplatz habe Janukowitsch abgelehnt. 

Die Gewalt zwischen prowestlicher Opposition und prorussischer Regierung in Kiew war am Dienstag eskaliert. In der Nacht zum Mittwoch stürmten die Sicherheitskräfte des Präsidenten die Camps der Opposition auf dem Maidan im Zentrum Kiews. Es sind die schwersten Ausschreitungen in der Ukraine seit Ende der Sowjetunion.