Wiesbaden/Straßburg (dpa) - Europas Konjunkturmotor Deutschland kommt 2014 stärker in Fahrt. Nach dem Mini-Wachstum 2013 erwartet die EU-Kommission ein Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,8 Prozent im laufenden und 2,0 Prozent im kommenden Jahr.

Das Wachstum werde vor allem von der Binnennachfrage getrieben, teilte EU-Währungskommissar Olli Rehn in seinem neuen Konjunkturgutachten mit.

Getrieben von der größten Volkswirtschaft der Eurozone wird nach der Prognose auch die Konjunktur im Euroraum nach Jahren der Krise langsam in Schwung kommen. Die Wirtschaft in den 18 Euro-Staaten wird im laufenden Jahr um 1,2 Prozent und im kommenden Jahr um 1,8 Prozent wachsen, sagte Rehn.

Damit hob der Finne die bisherige Prognose um jeweils 0,1 Punkte an. "Der Aufschwung bleibt moderat und ist immer noch anfällig", resümierte er. 2013 war die Euro-Wirtschaft um 0,4 Prozent geschrumpft.

Deutschlands Wirtschaftsleistung stieg 2013 hingegen um 0,4 Prozent, bestätigte das Statistische Bundesamt am Dienstag frühere Schätzungen. Dabei legte das BIP im Schlussquartal dank starker Exporte gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent zu. Das wirkte sich auch auf den Arbeitsmarkt aus: Mit rund 42,2 Millionen Erwerbstätigen hatten so viele Menschen einen Job in Deutschland wie noch nie.

"Die Stärkung der Binnennachfrage in diesem Jahr dürfte uns zu einem ausgewogeneren, nachhaltigeren Wachstum verhelfen", sagte Rehn. Die Arbeitslosigkeit im Euroraum sei nach wie vor hoch. Er forderte die Mitgliedstaaten auf, auf Reformkurs zu bleiben, um den Aufschwung zu stärken und mehr Arbeitsplätze zu schaffen. "Das größte Abwärtsrisiko für die Wachstumsaussichten ist ein erneuter Vertrauensverlust, zu dem es kommen könnte, wenn die Reformen auf nationaler oder auf europäischer Ebene ins Stocken geraten", warnte Rehn.

Immerhin dürfte Griechenland nach Jahren der Krise nach Einschätzung der EU-Kommission schon 2014 die Trendwende schaffen: Im laufenden Jahr traut Brüssel dem Mittelmeerstaat 0,6 Prozent Wachstum zu, 2015 dann sogar ein Plus von 2,9 Prozent. Damit wäre 2014 das erste Jahr seit 2007 mit Wirtschaftswachstum für das Land, das am Tropf der internationalen Geldgeber hängt.

Athens Schulden bleibt allerdings gewaltig, auch wenn der Stand laut EU-Prognose von 177,0 Prozent der Wirtschaftsleistung 2014 auf 171,9 Prozent im Jahr 2015 sinken dürfte. Erlaubt ist nach den EU-Regeln eine Verschuldung von höchstens 60 Prozent des BIP. Immerhin dürfte Griechenland das Etatdefizit in diesem Jahr auf 2,2 Prozent und 2015 auf 1,0 Prozent des BIP gewaltig drücken.

Auch im Schnitt der Euroländer gehen die Staatsdefizite weiter zurück. Doch es gibt nach wie vor Probleme. So steigt die Neuverschuldung in Spanien im kommenden Jahr voraussichtlich wieder an: auf 6,5 Prozent der Wirtschaftsleistung nach 5,8 Prozent im laufenden Jahr.

Madrid hatte den EU-Partnern zugesichert, 2016 wieder die Maastrichter Defizitgrenze von 3 Prozent einzuhalten. Nach den vorliegenden Zahlen dürfte das kaum zu schaffen sein. Die Schuldenberge in den meisten Euroländern bleiben nach Jahren der Finanz- und Wirtschaftskrise auf hohem Niveau.

In Deutschland ist die Staatsverschuldung 2013 mit 79,6 Prozent des BIP ebenfalls hoch. Doch der Musterschüler baut den Berg allmählich ab. Im vergangenen Jahr bescherten Rekordbeschäftigung und Konjunkturerholung den öffentlichen Kassen in Deutschland das zweite kleine Haushaltsplus in Folge.

Überschüsse wiesen Sozialkassen und Gemeinden auf, während Bund und Länder ihre Defizite halbierten, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Insgesamt wurden 1223,4 Milliarden Euro in die Staatskassen gespült. Damit übertrafen die Einnahmen die Ausgaben um rund 0,3 Milliarden Euro. Das Plus war 2013 allerdings so klein, dass sich bezogen auf das BIP von 2737,6 Milliarden Euro eine Überschussquote von 0,0 Prozent ergibt - der deutsche Haushalt war demnach also ausgeglichen.

Mitteilung Kommission

Mitteilung Destatis BIP Q4

Mitteilung Destatis Staatshaushalt 2013

Bundesbank-Monatsbericht Januar 2014

KfW-Konjunkturprognose