Jerusalem (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt Boykott- Aufrufe gegen Israel als Reaktion auf den umstrittenen Siedlungsbau in den Palästinensergebieten ab. "Das ist für Deutschland keine Option", sagte Merkel beim deutsch-israelischen Regierungstreffen in Jerusalem.

"Wir glauben, dass Boykotte nicht die Antwort sein können, um den Friedensprozess voranzubringen." Dies gehe nur auf dem Verhandlungsweg. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte, durch Boykotte würden auch Palästinenser getroffen.

Merkel bekräftigte das Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung im Nahost- Konflikt. Gegenseitige Anerkennung eines palästinensischen und des israelischen Staates sei dafür selbstverständlich eine Voraussetzung.

Mit Blick auf israelischen Siedlungsbau in den Palästinensergebieten machte die Kanzlerin erneut deutsche Sorgen deutlich. "Ich hoffe, dass man die Probleme überwinden kann und dass dies einem Abkommen nicht im Wege steht." Für eine Zwei-Staaten-Lösung werde natürlich "eine territoriale Integrität der einzelnen Gebilde" gebraucht. Merkel unterstützte Forderungen Israels nach Sicherheit vor Terror.

Netanjahu rief zu harten Verhandlungen mit dem Iran über dessen Atomprogramm auf. Teheran habe seine Politik auch unter dem neuen Präsidenten Hassan Ruhani nicht geändert, mahnte er. Der Iran rufe weiterhin zur Vernichtung Israels auf und unterstütze das Regime von Baschar al-Assad in Syrien. Es müsse verhindert werden, dass der Iran in den Besitz von Atomwaffen gelange.

Merkel verteidigte den Weg zu Verhandlungen mit dem Iran, an denen auch Deutschland teilnimmt. Weiteres Abwarten würde die Dinge nicht besser machen, betonte die Kanzlerin. Die Frage von Kompromissen werde sehr intensiv zu diskutieren sein. Es gehe darum, eine Bedrohung nicht nur Israels, sondern auch Europas zu verhindern.

Zu den fünften deutsch-israelischen Regierungskonsultationen kam Merkel mit fast ihrem gesamten Kabinett nach Jerusalem. Beide Länder wollen die gegenseitige Kontakte vertiefen. Dabei geht es um Projekte in Forschung, Bildung und Entwicklung und etwa eine gegenseitige Anerkennung von Führerscheinen.

Nach einer Vereinbarung wird Deutschland Israel künftig in solchen Ländern vertreten, in denen es nicht selbst präsent ist. Merkel nannte dies einen "wirklichen Vertrauensbeweis". Im nächsten Jahr soll zudem der 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen gefeiert werden.