Athen (dpa) - Bundespräsident Joachim Gauck beginnt heute einen dreitägigen Staatsbesuch in Griechenland. Bei Gesprächen mit Politikern, Unternehmern und Intellektuellen will Gauck Griechenland ermutigen, den schwierigen Reformkurs zur Überwindung der Schuldenkrise fortzuführen.

Er wird sich dabei auch mit der Kritik auseinandersetzen, die Deutschland und der EU aus Athen entgegen geschlagen ist. Viele Griechen machen die Auflagen, die an Hilfspakete für das Land geknüpft wurden, für Rezession und hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich.

Zuletzt hatte der damalige Bundespräsident Johannes Rau im Jahr 2000 Griechenland einen Staatsbesuch abgestattet. Bei einem Aufenthalt von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Oktober 2012 war es zu massiven Protesten gekommen. Damit wird diesmal allerdings nicht gerechnet. Wie es aus dem Bundespräsidialamt heißt, will Gauck die enge Verbundenheit Deutschlands mit Griechenland betonen und die bereits erreichten Reform-Fortschritte würdigen.

Im Mittelpunkt seines Programms in Athen steht am Donnerstag eine europapolitische Rede im Akropolis-Museum. Vorher wird Gauck auch mit dem Oppositionsführer im griechischen Parlament, Alexis Tsipras, zusammentreffen. Tsipras hatte den Kurs Deutschlands und der EU in der Schuldenkrise besonders scharf kritisiert.

Am Freitag fliegt Gauck dann zusammen mit dem griechischen Präsidenten Karolos Papoulias in dessen Heimatstadt Ioannina. Dort wird er der Ermordung griechischer Juden gedenken und in dem Dorf Lingiades an ein Massaker der deutschen Wehrmacht erinnern, bei dem am 3. Oktober 1943 über 80 Menschen ermordet wurden, unter ihnen viele Kinder. Vermutlich wird Gauck bei dem Besuch auch mit der griechischen Forderung nach Reparationszahlungen und Entschädigungen für die deutschen Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs konfrontiert.