Berlin (dpa) - Als alarmierend und dramatisch sind die hohen Betroffenenzahlen einer neuen EU-Studie zu Gewalt gegen Frauen aufgenommen worden. Ein Drittel aller Frauen in der Europäischen Union hat demnach seit ihrer Jugend mindestens schon einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt.

In Deutschland gaben demnach 60 Prozent der Befragten außerdem an, bereits sexuell belästigt worden zu sein - dazu zählen die Studienautoren etwa unerwünschte Annäherungsversuche oder sexistische Witze.

"Das ist eine sehr hohe Quote, die uns zu denken geben muss", sagte Christine Lüders von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) am Mittwoch über die Zahl der in Deutschland Betroffenen. Die Ergebnisse der Großstudie seien außerordentlich alarmierend - auch weil viele definitv betroffene Frauen mit niemandem darüber redeten.

Die Bundesgeschäftsführerin der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes, Christa Stolle, sagte: "Die EU-Studie belegt ein dramatisches Ausmaß von Gewalt an Frauen in Europa." Zwei Drittel der Frauen meldeten demnach die schlimmsten Gewaltvorfälle innerhalb der Partnerschaft nicht der Polizei. Für die EU-Studie wurden mehr als 40 000 Frauen in den 28 EU-Mitgliedstaaten befragt.