Berlin (dpa) - Als erstes deutsches Regierungsmitglied seit Ausbruch der Krim-Krise will Vizekanzler Sigmar Gabriel an diesem Donnerstag nach Moskau reisen. Möglich ist, dass der Wirtschaftsminister auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin trifft.

Eine Bestätigung dafür gab es aber nicht. Unter Umständen macht Gabriel zudem auf dem Rückflug nach Deutschland am Freitag einen Zwischenstopp in der ukrainischen Hauptstadt Kiew.

Ein Sprecher von Gabriel wies am Mittwoch in Berlin darauf hin, dass ein genaues Reiseprogramm noch nicht vorliege. Der schon länger geplante Russland-Besuch habe durch die internationale Krise einen neuen Kontext erhalten und sei eng zwischen dem SPD-Chef, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) abgestimmt.

Gabriel dürfte bei seinen Gesprächen mit der russischen Regierung die großen Sorgen der deutschen Wirtschaft ansprechen. Rund 6200 Firmen haben nach Angaben des Industrieverbandes BDI etwa 20 Milliarden Euro in Russland investiert. Sie fürchten, dass Putin bei Sanktionen der EU seinerzeit westliche Konzerne bis hin zu Enteignungen abstrafen könnte.

Wichtiges Thema werden auch die Gas- und Ölexporte Russlands nach Westeuropa sein. Gabriel hatte Anfang der Woche betont, dass er trotz der zugespitzten Lage zwischen Moskau und der Ukraine nicht mit Lieferausfällen rechne. Russland sei in der Vergangenheit "ein absolut vertragstreuer Lieferant" gewesen.

Deutschland bezieht aus Russland etwa 35 Prozent des Gasbedarfs und mehr als 30 Prozent des benötigten Öls. Ein erheblicher Teil davon wird durch ukrainische Leitungen nach Westen gepumpt.