Tel Aviv (dpa) - Israels Marine hat nach Armeeangaben im Roten Meer einen Frachter mit Dutzenden Raketen aus dem Iran aufgebracht.

Die Waffenlieferungen seien für die im Gazastreifen herrschende Hamas und andere Terrororganisationen bestimmt gewesen, sagte der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon. "Damit sollten sie dazu verführt werden, wieder engere Beziehungen mit dem Iran zu knüpfen", sagte Jaalon.

Die in Syrien hergestellten Raketen mit einer Reichweite von etwa 160 Kilometern hätten palästinensischen Terrororganisationen "nie dagewesene Fähigkeiten verleihen" und praktisch alle Teile Israels erreichen können, sagte Militärsprecher Peter Lerner.

US-Präsident Barack Obamas Sprecher Jay Carney bestätigte, dass Israel eine "verdächtige Lieferung illegaler iranischer Waffen" abgefangen habe. Sicherheitsberater der USA und Israels sowie Mitarbeiter der Geheimdienste und Militärs beider Länder hätten sich wegen des Vorfalls miteinander abgestimmt.

Der Iran wies die Angaben zurück. "Es hat nie ein Schiff mit iranischen Raketen Richtung Gazastreifen gegeben. Das sind wiederholte Lügen und grundlose Meldungen von zionistischen Medien", sagte Vizeaußenminister Hussein Amir Abdullahian der iranischen Nachrichtenagentur Fars.

Ein ranghohes Hamas-Mitglied bezeichnete die Berichte als "Erfindung" Israels. "Dies ist Teil einer immer schlimmer werdenden Meinungskampagne gegen Gaza", sagte Salah al-Bardawil. Ein Sprecher des Hamas-Innenministeriums sagte, Israel wolle damit nur die fortwährende Blockade des Gazastreifens rechtfertigen.

Das unter panamaischer Flagge fahrende Schiff sei unterwegs nach Port Sudan gewesen, sagte Militärsprecher Lerner. Die "Klos-C" sei rund 1500 Kilometer südlich von Israel in internationalen Gewässern vor der Küste zwischen dem Sudan und Eritrea abgefangen worden. Die Aktion sei friedlich verlaufen. 17 Bordmitglieder hätten sich sofort ergeben und voll mit den Soldaten kooperiert, sagte Lerner. Unter ihnen seien keine Iraner.

Die Raketen des Typs M 302 seien in Syrien hergestellt und zunächst nach Teheran geflogen worden, sagte der Militärsprecher. Von dort seien sie zum iranischen Hafen Bandar Abbas und dann zum irakischen Hafen Umm Kasr transportiert worden. Das aufgebrachte Schiff werde jetzt von der israelischen Marine begleitet und in einigen Tagen in der israelischen Hafenstadt Eilat eintreffen. "Wir haben diesen Transport seit sehr langer Zeit verfolgt", sagte der israelische Generalstabschef Benny Ganz vor Journalisten in Tel Aviv.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte mit Blick auf das vom Westen angestrebte Atom-Abkommen mit der Regierung in Teheran: "Während der Iran für die Welt lächelt, sendet er tödliche Waffen an Terrororganisationen, um unschuldige Zivilisten zu treffen." Dies sei "der wahre Iran". Teheran dürfe auf keinen Fall in den Besitz von Atomwaffen gelangen.

Vermutlich sollten die Raketen letztlich auf dem Landweg in den palästinensischen Gazastreifen gebracht werden, sagte der Militärsprecher. "Sie hätten Millionen Israelis gefährden können, wären sie angekommen", sagte Lerner. "Dies veranschaulicht die iranischen Absichten." Militante Palästinenser im Gazastreifen schießen immer wieder Raketen ins israelische Grenzgebiet.

In einem ähnlichen Einsatz hatte Israel 2002 das mit Waffen für die Palästinenser beladene Schiff "Karine A" im Roten Meer vor der Küste des Sudans aufgebracht. Es war mit 50 Tonnen Waffen aus dem Iran beladen. Der Kapitän der "Karine A" gestand nach seiner Festnahme, dass er die Waffen im Auftrag der palästinensischen Autonomiebehörde geladen hatte.