Moskau/Kiew (dpa) - Russland setzt die neue ukrainische Führung permanent unter Druck. Im Westen nimmt die Diskussion über mögliche Sanktionen gegen Moskau an Fahrt auf. In Paris treffen Lawrow und Kerry aufeinander.

Zur Lösung der schweren Krise in der Ukraine hat Russland mit Nachdruck eine Regierung der nationalen Einheit in Kiew gefordert. Zudem sei in der Ex-Sowjetrepublik eine Verfassungsreform nötig, die die Interessen aller Regionen berücksichtige, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Präsident Wladimir Putin hatte am Vortag den Machtwechsel zugunsten proeuropäischer Kräfte in Kiew als bewaffneten Umsturz bezeichnet.

Die USA beschuldigen den Kreml, in den vergangenen Tagen mit Tausenden Soldaten, die keine Abzeichen tragen, die überwiegend von Russen bewohnte Halbinsel besetzt zu haben. Putin bestritt dies und sprach von "Selbstverteidigungskräften", die auf der zur Ukraine gehördenden Krim für Sicherheit sorgten.

Russland bereitet Gegenmaßnahmen für die vor allem von den USA angedrohten Sanktionen vor. Der russische Föderationsrat begann mit der Arbeit an einem entsprechenden Gesetzentwurf. Es gehe etwa um das Sperren von Konten europäischer und US-amerikanischer Unternehmen, sagte der Abgeordnete Andrej Klischas der Staatsagentur Ria Nowosti.

Der Russland-Koordinator der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), nannte Sanktionen das falsche Mittel, um Moskau von seinem Vorgehen in der Krise abzubringen. "Russland könnte mit eigenen Sanktionen antworten. Das könnte zu einer Eskalation führen", sagte Erler im Deutschlandfunk. Russland und die Europäische Union seien voneinander abhängig, vor allem im Energiesektor. Russland ist der größte Lieferant von Gas in die EU. Die Staats- und Regierungschefs der 28 EU-Staaten könnten schon an diesem Donnerstag Sanktionen beschließen.

International nahm die Krisendiplomatie an Fahrt auf. Die Außenminister von Russland und der USA, Sergej Lawrow und John Kerry, sollten am Mittwoch in Paris zusammenkommen. Anlass ist ein Treffen der Libanon-Kontaktgruppe. Es blieb unklar, ob es zu einem direkten Gespräch Lawrows mit Kerry kommt. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wurde in der französischen Hauptstadt erwartet. Zudem wollte sich der Nato-Russland-Rat in Brüssel mit der heiklen Lage befassen.

Ein erster kleiner Verhandlungserfolg dürfte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) gelungen sein. Die Staatenorganisation, in der auch Russland und die Ukraine vertreten sind, könnte noch für Mittwoch die Reise einer Expertengruppe in die Ukraine antreten. Es blieb unklar, ob die OSZE-Vertreter auch auf die Krim dürfen. An der unbewaffneten Militärmission würden sich auch zwei Bundeswehrsoldaten beteiligen, hieß es in Wien.

Steinmeier gab sich vorsichtig optimistisch, dass der Konflikt um die Halbinsel eingedämmt werden könne. "Es gibt eine kleine Chance, jetzt einen internationalen politischen Prozess in Gang zu bringen, mit dem die Spirale der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine auf der Krim gestoppt werden kann", sagte er der "Rheinischen Post". Steinmeier warnte vor den Folgen der Krise. "Die Zeit drängt. Es droht nicht weniger als eine neue Spaltung Europas. Je länger die Krise schwelt, desto schwieriger wird jede Lösung", sagte er.

Zeitgleich mit der Ankunft von US-Außenminister Kerry in Kiew sicherten die USA der nahezu bankrotten Ukraine eine Milliarde US-Dollar (726 Millionen Euro) Hilfe für die Energieversorgung zu. Die Ukraine ist von Gaslieferungen aus Russland abhängig. Offenbar ist auch die EU zu Finanzhilfen für die Ex-Sowjetrepublik bereit. Darüber wollte noch am Mittwoch die EU-Kommission beraten.