Herzogenaurach (dpa) - Was Urlauber freut, wird für Adidas in einigen Regionen zum Ärgernis: Der starke Euro nagt am Umsatz des Sportartikelherstellers und entwickelt sich zunehmend zur Wachstumshürde.

Allein 2013 seien dem Sportartikelhersteller dadurch weltweit umgerechnet 750 Millionen Euro an Umsatz entgangen, räumte Vorstandschef Herbert Hainer bei der Vorlage der Geschäftszahlen in Herzogenaurach ein. "Dass uns Währungseffekte derzeit so in die Quere kommen, können wir leider nicht verhindern", klagte er. Ob dadurch langfristig Wachstumsziele gefährdet würden, sei noch unklar. Trotz dieser Probleme bleibt Adidas aber auf Gewinnkurs.

Er geht davon aus, dass sein Unternehmen in diesem Jahr mindestens so stark von den Währungsproblemen betroffen sein werde wie 2013. Dadurch würden frühere Umsatzziele für 2014 möglicherweise verfehlt. Betroffen seien vor allem Geschäfte mit Argentinien, Brasilien, Australien, China, der Türkei, Russland und Kanada. Diese Länder hätten 2013 ihre Währungen teils kräftig abgewertet - einige hätten in den vergangenen Wochen noch nachgelegt.

Adidas erziele daher in den Ländern auf Euro-Basis nicht mehr die früheren Umsätze. "Kurzfristig können wir wenig daran andern", sagte Hainer. Mittel- oder langfristig müsse Adidas möglicherweise über eine "selektive Preiserhöhung" für Adidas-Produkte in diesen Ländern nachdenken. In Ländern, in denen weiter an Währungsabwertungen festgehalten werde, müsse der Vorstand auch Investitionsüberlegungen überdenken. An einen Rückzug aus bestimmten Ländern denke Adidas aber nicht.

Die währungsbedingten Belastungen hatte Adidas bereits im Vorjahr zu spüren bekommen. Neben dem starken Euro hätten aber auch das witterungsbedingt schwache Golfgeschäft, Vertriebsprobleme in Russland und die schwache Nachfrage in Südeuropa das Wachstum 2013 gebremst.

Der Konzernumsatz des Sportartikel-Herstellers sank im Jahr 2013 um 2,6 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro. Ohne die negativen Effekte des starken Euro wäre der Umsatz des Sportartikelherstellers im Vorjahr um drei Prozent höher ausgefallen.

Trotz der währungsbedingten Wachstumsprobleme fuhr der Sportartikel-Hersteller aber weiter Gewinne ein: So lag der Konzernüberschuss mit 787 Millionen Euro knapp 50 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Er pendelte sich damit etwa wieder auf dem Niveau der vorangegangenen Jahre ein. Der auf die Anteilseigner entfallende Gewinn war im Jahr 2012 wegen Sonderabschreibungen vorübergehend eingebrochen. In diesem Jahr solle der Konzernüberschuss bei 830 bis 930 Millionen Euro liegen, prognostizierte der Adidas-Vorstand.

Für 2014 setzt der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller nach Nike vor allem auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Als offizieller Partner des Weltfußballverbandes FIFA rechne er mit einem Rekordumsatz im Geschäft mit Fußballschuhen und Trikots von zwei Milliarden Euro, sagte Hainer.

Bereits im Jahr 2013 - einem Jahr ohne internationales Fußballturnier - war der Umsatz mit Trikots, Fußballschuhen und Bällen währungsneutral überraschend um 4 Prozent gewachsen.

Die Krim-Krise überschattet das wichtige Adidas-Russland-Geschäft derzeit noch nicht. "Wir sind ständig in Kontakt mit dem Management.

In der vergangenen Wochen liefen die Geschäfte noch ganz normal", sagte Hainer. Die Unternehmensführung beobachte die Entwicklung aber genau. "Ich hoffe inständig, dass der Konflikt schnell bereinigt wird", sagte er. Adidas betreibt in Russland rund 1000 Läden. Der Umsatz in Russland und den GUS-Staaten lag zuletzt bei einer Milliarde Euro.

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