Athen (dpa) - Solidarität und Unterstützung für Griechenland sagt der Bundespräsident zu. Aber sein Gastgeber fordert Milliarden- Entschädigungen für Verbrechen der Nazis. Joachim Gauck bietet stattdessen einen Zukunftsfonds an.

"Wir Deutsche stehen in Solidarität zu unseren Partnern in Griechenland - egal welche Schlagzeilen es gibt", sagte Gauck am Donnerstag bei seinem Staatsbesuch in Athen. Die bisherigen Reformanstrengungen verdienten Anerkennung und Respekt.

Der Bundespräsident erinnerte auch daran, dass viele Griechen während der Militärdiktatur bis 1974 in Deutschland Zuflucht gesucht hätten, unter ihnen der heutige Staatspräsident Karolos Papoulias. "Dieses gastfreundliche und Ihnen freundschaftlich gesonnene Deutschland existiert. Das ist das heutige Deutschland", sagte Gauck. "Die allermeisten Deutschen hegen freundschaftliche Gefühle gegenüber Griechenland", fügte Gauck hinzu. Allerdings seien unter Freunden auch gelegentlich kontroverse Debatten normal.

Bei einem gemeinsamen Auftritt von Gauck und Papoulias vor der Presse wurde der andauernde Streit über die griechische Forderung nach Reparationszahlungen für deutsche Verbrechen im Zweiten Weltkrieg offenbar. Papoulias forderte, Verhandlungen über die Reparationen und über die Rückzahlung einer von den Nazis erhobenen Zwangsanleihe müssten so schnell wie möglich aufgenommen werden. "Griechenland hat diese Forderungen nie aufgegeben", sagte Papoulias.

Gauck erwiderte, der Rechtsweg dazu sei abgeschlossen. "Ich werde mich dazu nicht äußern. Und ganz gewiss nicht anders als meine Regierung." Die Reparationsforderungen werden von Nicht-Regierungsorganisationen in Griechenland auf Beträge bis zu 160 Milliarden Euro geschätzt, die Zwangsanleihe auf mehrere Milliarden Euro. Die Nazis hatten sie noch 1945 auf knapp 500 Millionen Reichsmark beziffert.

Gauck kündigte an, bei seinem Besuch am Freitag in dem nordwestgriechischen Ort Lingiades die Schuld der Deutschen für Verbrechen während der Besatzungszeit anzuerkennen. In Lingiades waren bei einem Massaker der Wehrmacht 1943 über 80 Menschen ums Leben gekommen. Gauck wird auch der zahlreichen jüdischen Opfer der Deutschen in Griechenland gedenken.

Der Bundespräsident kündigte die Schaffung eines "Zukunftsfonds" an, mit dem Erinnerungsarbeit gefördert werden soll. Den Deutschen solle bewusst gemacht werden, wie viel von den Verbrechen ihrer Vorfahren vergessen worden ist. Auch ein deutsch-griechisches Jugendwerk solle die Freundschaft zwischen beiden Ländern vertiefen.

Am Vormittag war Gauck zum offiziellen Auftakt seines Staatsbesuchs in Griechenland mit militärischen Ehren begrüßt worden. Der Bundespräsident wird von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt begleitet. Am Nachmittag wollte sich Gauck auch mit Alexis Tsipras treffen, dem Chef des radikalen Linken (Syriza). Die griechische Polizei hinderte während des Besuchs rund 500 Demonstranten daran, vor dem Parlament in Athen gegen Entlassungen und Arbeitslosigkeit zu demonstrieren.