Washington (dpa) - Nach Gesprächen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow ist US-Außenminister John Kerry überzeugt, einen friedlichen Weg aus der Krise auf der Krim finden zu können.

"Wir haben eine Reihe von Ideen auf dem Tisch", sagte Kerry am Mittwoch in Paris nach einem Treffen mit Lawrow und westlichen Amtskollegen. Alle Beteiligten seien sich einig gewesen, dass Dialog der beste Weg aus dem Konflikt auf der ukrainischen Halbinsel Krim sei.

"Glauben Sie nicht, dass wir nicht eine ernsthafte Unterhaltung mit ergiebigen, kreativen und angemessenen Ideen hatten, wie wir das lösen können", versicherte der Chefdiplomat der USA vor Journalisten. Er selbst habe konkrete Vorschläge, über die er mit US-Präsident Barack Obama beraten wolle. "Ich glaube, Lawrow ist in derselben Position mit (Russlands) Präsidenten (Wladimir) Putin." Beide hätten Einfälle gehabt, die sie nun mit ihren jeweiligen "Chefs" in ihren Hauptstädten besprechen wollten.

Er habe "keine Erwartungen, null Erwartungen" gehabt, dass Lawrow sich in Paris persönlich mit seinem ukrainischen Amtskollegen Andrej Deschtschiza treffen werde, antwortete Kerry auf die Frage einer Journalistin.

Kerry war in Paris mit Lawrow sowie den Außenministern Frank-Walter Steinmeier, Laurent Fabius (Frankreich) und William Hague (Großbritannien) zusammengetroffen. Auf die Bildung einer Kontaktgruppe zur Beilegung der Krise einigten sich die Beteiligten nach ihren Beratungen jedoch nicht. Kerry trifft am Donnerstag erneut auf Lawrow, wenn die "Freunde Libyens" in Rom zu Gesprächen über das nordafrikanische Land zusammenkommen.

Vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der 28 EU-Staaten zur Ukraine verständigten sich US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron über ihren gemeinsamen Kurs in der Krise. Beide verurteilten Russlands Vorgehen, wie das Weiße Haus nach dem Telefonat mitteilte. Die EU-Länder wollen auf ihrem Gifpel am Donnerstag auch über Sanktionen gegen Russland entscheiden.

Die USA seien von ihrer Forderung über mögliche Sanktionen kein bisschen abgewichen, versicherte Kerry. Am Donnerstag will der Außenausschuss des Abgeordnetenhauses über mögliche Strafmaßnahmen beraten. Im Gespräch ist ein Gesetzesvorhaben, das Sanktionen in den Bereichen Visa, Finanzen und Handel vorsieht. Auch Strafmaßnahmen gegen Angehörige der Regierung in Moskau sowie russische Staatskonzerne sind dem Papier zufolge im Gespräch.

Zudem werden die US-Regierung und andere Länder dazu aufgerufen, den anstehenden G8-Gipfel im russischen Sotschi zu boykottieren und einen kompletten Ausschluss Russlands aus der G8-Gruppe zu erwägen. Zuvor hatten die sieben führenden Industrienationen der Welt (G7) bereits alle Vorbereitungstreffen für den Gipfel im Juni ausgesetzt.

Auch die ukrainische Oppositionelle und Popsängerin Ruslana will US-Abgeordnete zu Sanktionen gegen Russland drängen und ist dafür am Donnerstag im Washingtoner Kapitol zu Besuch. Moskau müsse für sein Vorgehen auf der Krim durch die Strafmaßnahmen isoliert werden, sagte sie bei einer Pressekonferenz in der US-Hauptstadt am Mittwoch.

US-Gesetzesvorhaben zu Russland-Sanktionen

Kerrys Bemerkungen in Paris