Peking (dpa) - Chinas strenge Ein-Kind-Politik wird erst langsam gelockert. Seit vier Monaten erlaubt Chinas Führung zwar vielen Paaren zwei Kinder, aber weniger als die Hälfte aller Provinzen haben die neuen Vorgaben umgesetzt.

"Es gibt keinen Zeitplan", sagte die Ministerin für Familienplanung, Li Bin, am Donnerstag in Peking.

Die Lockerung der strengen Geburtenkontrollen macht es Paaren, von denen ein Partner Einzelkind ist, zwei Kinder möglich. Zuvor galt diese Regel nur für Paare, bei denen beide Partner selbst Einzelkinder waren. Folge der Lockerung dürften in den kommenden Jahren ein bis zwei Millionen zusätzliche Geburten im Jahr sein, schätzen Experten.

"Es leben sehr viele Menschen in China. An dieser Tatsache hat sich nichts geändert", betonte die Ministerin. "Deswegen können die Regeln angepasst, aber nicht abgeschafft werden", sagte Li Bin über die künftige Familienpolitik. Die Zahl der Menschen in China müsse im Einklang mit den verfügbaren Ressourcen, der Umwelt und der Wirtschaft stehen. Bislang hätten 8 Provinzen die Regeln umgesetzt. China hat 22 Provinzen, fünf autonome Gebiete und vier regierungsunmittelbare Metropolen.

Chinas Ein-Kind-Politik war schon lange sehr umstritten. Sie wurde 1979 eingeführt, um eine Bevölkerungsexplosion zu verhindern. Das wachsende Riesenvolk musste ernährt und die knappen Ressourcen geschützt werden. Daher entschloss sich die Staatsführung zu dem drastischen Schritt. Bis heute hat die strikte Familienpolitik die chinesische Bevölkerung um schätzungsweise 300 Millionen Menschen verringert.