Are (dpa) - Mit einem langen Blick auf die Anzeigetafel hielt sich Maria Höfl-Riesch nach ihrer enttäuschenden Vorstellung in Are nicht auf. Kopfschüttelnd und ohne anzuhalten fuhr die dreimalige Olympiasiegerin nach dem Riesenslalom in Schweden aus dem Zielbereich hinter eine Werbewand.

Platz 21 brachten ihr lediglich zehn Zähler - sechs Rennen vor dem Saison-Ende war das für die Gesamtweltcupführende ein Rückschlag auf dem Weg zum Gewinn der zweiten großen Kristallkugel. Ganz anders die stärkste Verfolgerin: Anna Fenninger aus Österreich feierte zwei Wochen nach Olympia-Silber in Sotschi den sechsten Weltcup-Sieg ihrer Karriere und hat nur noch 67 Zähler Rückstand auf Höfl-Riesch.

Viktoria Rebensburg musste sich in ihrem ersten Rennen nach Olympia-Bronze in Russland mit Platz elf arrangieren. Fenninger dagegen raste von Rang sieben im Finale noch an die Spitze. "Ich habe nur gedacht: Hab' Spaß auf der Strecke und probier dein Bestes", sagte die 24-Jährige. Sie habe nicht geglaubt, dass ihre Leistung für ganz vorne reichen werde. "Ich finde es sehr cool, dass es jetzt ein Sieg ist." Rang zwei ging an Anemone Marmottan aus Frankreich. Platz drei teilten sich Eva-Maria Brem aus Österreich und Lara Gut aus der Schweiz.

Vor dem zweiten Riesenslalom in Are am Freitag hat Fenninger nun 1051 Zähler auf dem Konto, Höfl-Riesch liegt bei 1118 Punkten. Obwohl die Österreicherin im Riesentorlauf auch gegen eine Höfl-Riesch in Normalform die besseren Karten hat - eine Kampfansage gab es von ihr nicht. "Ich sehe mich im Gesamtweltcup in der Außenseiterrolle", meinte Fenninger. Schließlich habe Höfl-Riesch zwei Rennen mehr, in denen sie jeweils 100 Punkte machen könne.

Etwa am Samstag im Slalom, da steht Fenninger nicht am Start. Beim Weltcupfinale in Lenzerheide folgen dann noch je eine Abfahrt und ein Super-G (Chancen ausgeglichen), ein Riesenslalom (Vorteil Fenninger) und ein Slalom (Vorteil Höfl-Riesch). "Ich versuche, so gut zu fahren, wie es geht. Wenn es so weiter geht, kann es noch einmal spannend werden", kündigte Fenninger an.

Für Höfl-Riesch gilt daher: Schnell abhaken und aus dem Vorsprung nicht schon am Freitag einen Rückstand werden lassen. Dazu aber muss sich die für den SC Partenkirchen startende Skirennfahrerin aber anders präsentieren als am Donnerstag.

Bei Sonnenschein und Temperaturen um fünf Grad kam sie schon im ersten Durchgang mit großem Rückstand auf die Spitze ins Ziel - Rang 15 vor dem Finale. Dort gelang ihr die erhoffte Aufholjagd aber auch nicht. Im Gegenteil: Sie rutschte weiter zurück. Schlechter platziert in einem Weltcup-Riesenslalom war sie zuletzt im Dezember 2012.

Schon vier Tage vor dem Rennen in Are hatte Höfl-Riesch durch Rang neun bei der Abfahrt in Crans Montana an Vorsprung eingebüßt. Diesen kleinen Trend gilt es nun zu stoppen.