Istanbul (dpa) - Der Tod eines von der türkischen Polizei verletzten Jugendlichen hat in Istanbul die größten Proteste seit dem vergangenen Sommer ausgelöst. Zehntausende Regierungsgegner schlossen sich einem Trauerzug zur Beerdigung des Jungen an.

Der 15-Jährige Berkin Elvan war im Juni vergangen Jahres auf dem Höhepunkt der Protestwelle gegen die islamisch-konservative Regierung von einer Tränengasgranate schwer verletzt worden.

Ein dpa-Reporter berichtete, die Lage im Stadtteil Okmeydani, wo sich die Demonstranten versammelten, sei angespannt. Die Polizei war stark präsent, hielt sich aber zurück. Polizei ging auch rund um den Taksim-Platz in Stellung, wo es am Vorabend zu neuen Zusammenstößen gekommen war. Im Zentrum der Hauptstadt Ankara ging die Polizei mit Tränengas gegen mehrere tausend Demonstranten vor. In Istanbul warnte die Polizei, den Demonstranten werde kein Marsch auf den zentralen Taksim-Platz erlaubt.

Der Junge lag seit Juni im Koma. Am Dienstag starb er nach 269 Tagen an seinen Verletzungen. Am Abend demonstrierten daraufhin in Istanbul, Ankara, Izmir und zahlreichen anderen Städten Tausende Menschen gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Demonstranten errichteten Barrikaden und warfen Steine sowie Feuerwerkskörper auf die Sicherheitskräfte. Auf Plakaten wurde Erdogan als "Mörder" beschimpft. Die Menge in Istanbul skandierte: "Schulter an Schulter gegen Faschismus." Die Zusammenstöße dauerten bis in die Nacht an. Dutzende Menschen wurden festgenommen.

Die Proteste hatten sich im vergangenen Sommer an Plänen der Regierung entzündet, den Gezi-Park am Rande des Istanbuler Taksim-Platzes zu bebauen. Sie richteten sich bald vor allem gegen Erdogans autoritären Regierungsstil.