Münster (dpa) - Nach sechs Jahren mit Robert Zollitsch an der Spitze wählt die katholische Deutsche Bischofskonferenz heute einen neuen Vorsitzenden. Einen Favoriten für die Nachfolge des 75-jährigen Freiburger Erzbischofs, der aus Altersgründen nicht noch einmal kandidiert, gibt es nicht.

Eine ganze Reihe von Bischöfen gelten als geeignete Kandidaten - darunter der Münchner Kardinal Reinhard Marx, sein Berliner Amtsbruder Rainer Maria Woelki, Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode oder der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Stimmrecht haben 63 Bischöfe und Weihbischöfe aus den 27 deutschen Bistümern. Gewählt werden können allerdings nur etwa 20 Bischöfe. In den ersten beiden Wahlgängen ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig, dann reicht eine einfache Mehrheit.

Die kritische Laieninitiative "Wir sind Kirche" forderte vom neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, den angefangenen Dialogprozess mit der Basis fortzusetzen. Man erwarte, "dass die Bischöfe nach der Wahl konsequent sind und ihren Vorsitzenden dann in den nächsten Jahren auch unterstützen", sagte Sprecher Christian Weisner zur Nachrichtenagentur dpa. In der Amtszeit Zollitschs habe es immer wieder gute Ansätze gegeben, die dann aber nicht von allen Bischöfen mitgetragen wurden.

Die Bischofskonferenz ist das Führungsgremium der katholischen Kirche in Deutschland. Es ist unter anderem für übergreifende Fragen der Seelsorge und internationale Kontakte zuständig. Die Mitglieder treffen sich in der Regel zweimal im Jahr. Ihrem Vorsitzenden kommt eine herausgehobene Rolle zu.

Er hat zwar gegenüber seinen Kollegen keine Weisungsbefugnis, agiert aber als eine Art Sprecher und äußert sich zu wichtigen kirchen- oder tagespolitischen Fragen. Er muss auch zwischen nicht selten widerstreitenden Interessen der Bischöfe vermitteln und Kompromisslösungen aufzeigen. Zudem pflegt er enge Kontakte zum Papst in Rom sowie zur deutschen Politik.

Die katholische Kirche in Deutschland mit rund 24,3 Millionen Mitgliedern steht vor vielschichtigen Herausforderungen. Nicht alle im Klerus hierzulande teilen die Begeisterung über den von Papst Franziskus verkörperten neuen Stil und Aufbruch.

Zur Vorbereitung der Wahl diskutierten die Bischöfe am Dienstag hinter verschlossenen Türen über grundsätzliche Fragen und Herausforderungen - etwa den weiteren Dialogprozess mit der Basis oder den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, die nicht am Abendmahl teilnehmen dürfen. Besprochen wurde auch eine Umfrage, nach der die meisten Gläubigen mit der Sexualmoral der Kirche nichts mehr anfangen können. Über die Konsequenzen sind die Bischöfe uneins.

Informationen der Deutschen Bischofskonferenz