Berlin/Potsdam (dpa) - Unmittelbar vor Beginn der Tarifgespräche für die 2,1 Millionen Angestellten von Bund und Kommunen an diesem Donnerstag in Potsdam haben die Gewerkschaften ein schnelles und konkretes Angebot der Arbeitgeber angemahnt.

Verdi und der dbb-Beamtenbund drohten mit Warnstreiks, sollten die Arbeitgeber versuchen, eine Einigung in die Länge zu ziehen. Es wird mit schwierigen Verhandlungen gerechnet, da die Gewerkschaften vor allem Verbesserungen bei den unteren Einkommen durch einen Sockelbetrag anstreben - was die öffentlichen Arbeitgeber strikt ablehnen.

Die Gewerkschaften verlangen eine "deutliche Reallohnsteigerung". So sollen zunächst alle Gehälter pauschal um 100 Euro monatlich angehoben werden. Darauf soll dann ein weiterer Lohnzuwachs von 3,5 Prozent kommen. Die Arbeitgeber haben die Forderung als unbezahlbar zurückgewiesen, selbst aber noch keinen Vorschlag gemacht.

"Das Verhalten der Arbeitgeberseite in der ersten Verhandlungsrunde wird sicherlich in den Betrieben, Verwaltungen, Krankenhäusern und Kitas aufmerksam registriert", sagte Verdi-Chef Frank Bsirske der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch).

dbb-Verhandlungsführer Willi Russ sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wenn Schlichtung oder Arbeitskampf vermieden werden sollen, brauchen wir schnelle Fortschritte und am besten ein verhandlungsfähiges Arbeitgeberangebot in der ersten Runde." Beide Gewerkschaften hatten bereits wiederholt Warnstreiks angedroht.

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) stellt sich auf baldige Arbeitsniederlegungen ein. "Wir wissen, dass für den Zeitraum zwischen der ersten und zweiten Verhandlungsrunde Warnstreiks bereits geplant sind", sagte VKA-Präsident Thomas Böhle der Zeitung. Bei Realisierung der Gewerkschaftsforderungen würden die Gehälter im Schnitt um 7,14 Prozent und in der Spitze sogar um bis zu 10,2 Prozent steigen, kritisierte Böhle. Nach Berechnungen des VKA kämen auf die Kommunen jährliche Zusatzausgaben von 6,1 Milliarden Euro zu.

Gewerkschaften und Arbeitgeber haben für den 20. und 21. März eine zweite Tarifrunde in Potsdam vereinbart. Die dritte Verhandlungsrunde soll ab dem 31. März stattfinden. Bei einem Scheitern können beide Seiten die Schlichtung anrufen. Der Schlichtungskommission gehören 26 je zur Hälfte von Gewerkschaften und Arbeitgebern benannte Mitglieder an. Kommt es in der Kommission bei der Empfehlung zu einem Stimmenpatt, ist diesmal nach der Schlichtungsordnung das Votum des Vorsitzenden, Sachsens Ex-Ministerpräsidenten Georg Milbradt (CDU), ausschlaggebend.

Die Gewerkschaften haben ihre Forderung mit "erheblichem Nachholbedarf" im öffentlichen Dienst begründet. Wenn der öffentliche Dienst angesichts des sich zuspitzenden Fachkräftemangels mithalten wollte, müssten deutliche Lohnverbesserungen kommen.

Für die Beschäftigten im Nahverkehr wird eine zusätzliche Zulage von 70 Euro monatlich verlangt, um diese Berufe für Einsteiger attraktiver zu machen. Zugleich wird die Übernahme aller Auszubildenden gefordert. Für alle Beschäftigten soll ein einheitlicher Urlaubsanspruch von 30 Tagen gelten.

Bei der letzten Tarifrunde vor zwei Jahren hatten die Gewerkschaften mit einem Stufenmodell Gehaltsverbesserungen von 6,3 Prozent erzielt - bei einer Laufzeit von zwei Jahren.