Berlin (dpa) - Das boomende China-Geschäft soll Europas größten Autobauer Volkswagen in diesem Jahr zu neuen Rekorden treiben.

Während der VW-Konzern seinen Betriebsgewinn in der Volksrepublik 2013 um 17 Prozent weiter hochschraubte, stagnierten die Erträge im Rest der Welt. Rund 4,3 Milliarden Euro an anteiligem Gewinn aus dem China-Geschäft, das sich VW dort mit Partnern teilt, stehen 11,7 Milliarden Euro aus den Märkten außerhalb Chinas gegenüber.

Gut ein Viertel des gesamten Gewinnkuchens hängt für die Wolfsburger damit schon vom Reich der Mitte ab - Tendenz steigend. "Wir sind ziemlich zuversichtlich, dass wir in China weiter wachsen werden", sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn am Donnerstag in Berlin.

Dort präsentierte Volkswagen Details seiner Bilanz für 2013. Winterkorn betonte, dass der Konzern seine Expansion in China in den noch wenig industrialisierten westlichen Teil des Landes vorantreibe. China-Vorstand Jochem Heizmann sagte, der Fokus auf den weltgrößten Automarkt werde für VW auch bei der Modellpalette weiter geschärft: "Wir sind intensiv dabei, unser Angebotsspektrum weiter auszubauen." Auch das Händlernetz bekomme Zuwachs - nicht nur in den Metropolen.

Der Konzern verkauft schon heute rund jedes dritte Auto in China. Bei der Pkw-Kernmarke ist es sogar fast jedes zweite. Damit wächst die Abhängigkeit von dem zentralistisch regierten Land, das international wegen Menschenrechtsverletzungen oft in der Kritik steht.

Winterkorn sieht aber keinen Anlass für Unbehagen: "Man sieht schon, dass die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch auf sehr fruchtbarem Boden steht." Ausländische Hersteller wie VW dürfen ihre Autos in China nur mit lokalen Partnern in Gemeinschaftsunternehmen bauen und verkaufen. Die Wolfsburger besitzen in China nirgendwo die Anteilsmehrheit.

Auch mit Blick auf den weiteren Schub in China sieht sich VW auf Kurs zu einem neuen Absatzrekord. 2014 dürften die Wolfsburger weltweit bereits mehr als zehn Millionen Fahrzeuge verkaufen.

"Die Chancen stehen gut, dass wir die Marke der zehn Millionen Auslieferungen sogar schon in diesem Jahr übertreffen", sagte Winterkorn. Nach dem Bestwert von 9,73 Millionen Fahrzeugen im vergangenen Jahr müssten die Wolfsburger für den Sprung über die 10-Millionen-Hürde mindestens rund 3 Prozent Absatzzuwachs haben. 2013 brachte 4,9 Prozent Plus.

Ende Februar hatte VW fürs laufende Jahr eine "moderate" Verbesserung in Aussicht gestellt. Mit über zehn Millionen Fahrzeugen hätte der Konzern 2014 bereits eines seiner Ziele für 2018 erreicht.

Zuversichtlich zeigte sich Winterkorn bei der Prognose für die Finanzkennzahlen. Für das operative Ergebnis und den Umsatz wies der Konzern bereits Ende Februar - anders als zuletzt - nur einen Korridor aus. Demnach sind 2014 sowohl spürbare Rückgänge als auch deutliche Zuwächse denkbar. Der VW-Chef ließ nun durchblicken, dass eher das obere Ende der Spanne angepeilt sei: "Der Volkswagen-Konzern hat sich noch nie damit begnügt, nur das Minimalergebnis zu erreichen." Die VW-Vorzugsaktie reagierte prompt mit Kurssprüngen.

Bei den einzelnen Marken lief es jenseits von China bestenfalls durchwachsen. Die drei absatzstärksten Marken VW-Pkw, Audi und Skoda machten außerhalb des weltgrößten Marktes deutlich weniger Gewinn.

Bei der Kernmarke sackte das operative Ergebnis sogar um ein Fünftel ab. Dafür sprang die Sportwagenschmiede Porsche in die Bresche: Die jüngste VW-Tochter zählte erstmals volle zwölf Monate zur Bilanz. Mit 2,6 Milliarden Euro lieferten die Stuttgarter fast dreimal so viel Gewinn wie 2012, als sie nur fünf Monate unter dem VW-Dach standen.

Rentabler will VW künftig vor allem mit seiner Gleichteile-Strategie rund um den Modularen Querbaukasten (MQB) werden. Dieser Ansatz soll das Autobauen viel flexibler und billiger machen. 2013 wurden schon eine Million Autos auf dieser Basis gefertigt, 2016 sollen es viermal so viele sein. Experten erwarten dann jährliche Einsparungen von bis zu vier Milliarden Euro. Dazu muss die Strategie allerdings noch in deutlich mehr Werken eingeführt werden, was zunächst Geld kostet.

Für Winterkorn lohnte sich das VW-Erfolgsjahr 2013 auch finanziell. Der Konzern belohnt ihn mit 15 Millionen Euro Vergütung. Die Summe liegt rund eine halbe Million Euro oder gut drei Prozent über dem Vorjahresniveau. Insgesamt erhalten die neun VW-Vorstände 64,1 Millionen Euro - ein Plus von gut 13 Prozent zum Vorjahreswert.