Paris (dpa) - Nach dem bestandenen Charaktertest an der Seine wurde sogar Leverkusens eher introvertierter Trainer Sami Hyypiä etwas übermütig. "Wir können erhobenen Hauptes gehen", sagte der Finne nach dem 1:2 bei Paris St. Germain und dem Aus im Achtelfinale der Champions League.

"Wenn wir so einen Einsatz und so eine Einstellung zeigen, kann es auch für Bayern München gegen uns schwer werden." Ob aber eine ordentliche Leistung wie gegen das im Kräftespar-Modus angetretene Pariser Starensemble um Zlatan Ibrahimovic reicht, um am Samstag in München einen Coup zu landen?

Für Bayer-Torwart Bernd Leno war es jedenfalls das beste Spiel seiner Werkself nach der Winterpause und die beste Krisentherapie. "Das waren Welten zwischen Hin- und Rückspiel und ein erster Schritt aus der Krise", sagte der starke Keeper, der nach der 0:4-Blamage im Hinspiel ziemlich kleinlaut war und nun forsch verkündete: "Wir fahren garantiert nicht nach München, um dort nur Gast zu sein, sondern wir können eine Sensation schaffen."

Frankreichs Fußball-Meister benügte sich mit Toren von Marquinhos (13. Minute) und Ezequiel Lavezzi (53.), nachdem Sidney Sam (6.) die Führung für Bayer erzielt hatte.

Realität ist, dass das Bundesliga-Topspiel an der Isar eigentlich keines mehr ist. Denn den Champions-League-Gewinner aus München und den Tabellendritten vom Rhein trennen 24 Punkte - vor dem Jahreswechsel waren es nur sieben Zähler. "In München können wir nur gewinnen. Mittlerweile sagt ja niemand mehr, sie sind schlagbar", argumentierte Leno. Fakt ist aber: 2013 gewannen die Leverkusener nur zwei von zehn Pflichtpartien und zuletzt siebenmal in Serie nicht.

"Das gibt Selbstvertrauen für Samstag", meinte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler nach dem Auftritt in Paris und vor dem Prestigeduell beim FC Bayern. "Das war Vorstellung und Einstellung, die wir uns gewünscht haben: Engagiert, mutig, selbstbewusst." Allerdings weiß er auch, dass Ibrahimovic und Co. nach dem 4:0 nicht alle Register des Könnens zogen. "In München haben wir noch mal eine andere Hausnummer", sagte Völler und forderte: "Wenn du gegen Bayern spielst, musst du über deine Grenzen gehen."

Wie man die Über-Bayern in die Knie zwingen kann, haben die Leverkusener in der Saison 2012/13 vorgemacht. Als einziger Verein der Liga besiegten sie die Münchener und luchsten ihnen im zweiten Spiel einen weiteren Punkt ab. "Wir haben ja schon gezeigt, dass wir gegen Bayern gut aussehen können und müssen uns nicht verstecken", sagte Ibrahimovic-Bewacher und Innenverteidiger Philipp Wollscheid.

Trotz des insgesamt wenig glanzvollen Abschieds aus der Champions League und der Negativserie der vergangenen Wochen hält Bayer am Ziel der direkten Rückkehr fest. "Das können wir noch packen, da glaube ich dran. Wir haben gesehen, dass die Mannschaft lebt", sagte Völler. Für ihn ist das Erreichen der Runde der besten 16 Clubs in Europa ohnehin das Optimum. "Wir kommen mit unseren Möglichkeiten an natürliche Grenzen", erklärte er. "Es gibt in Europa vier, fünf, sechs Vereine, da ist es für Bayer Leverkusen schwierig, noch ins Viertelfinale zu kommen." Paris St. Germain hat in diesem Jahr einen Etat von 430 Millionen Euro, 2015 soll er auf 500 Millionen aufgestockt werden, um die Champions-League-Trophäe zu holen.

Die Leverkusener, die von der Bayer AG pro Jahr 25 Millionen Euro erhalten, müssen da knapper kalkulieren. Deshalb freuen sie sich schon auf mindestens 21,5 Millionen Euro Einnahmen aus der Champions League. "Wir wollen zurück in die Königsliga und wir können es schaffen", hofft Bayer-Geschäftsführer Michael Schade auch aus ökonomischen Gründen. Für ihn beginnt dieses Projekt aber erst richtig nach dem Bayern-Spiel: "Dann haben wir noch neun Endspiele."