Jerusalem/Gaza (dpa) - Israel ist zum Ziel der massivsten Raketenangriffe aus dem Gazastreifen seit Ende 2012 geworden. Laut israelischer Armee schlugen am Mittwoch mindestens 30 Geschosse in grenznahen Regionen ein.

Nach Angaben aus dem Gazastreifen wurden mehr als 100 Raketen und Granaten abgefeuert. Auch in der Nacht auf Donnerstag wurde der Süden Israels beschossen. Opfer gab es nicht.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Zunächst schossen israelische Panzer in den Gazastreifen hinein, kurz darauf begannen massive Luftschläge. Die Vorfälle überschatteten den Besuch des britischen Premierministers David Cameron in Israel.

Insgesamt 29 Ziele seien angegriffen worden, teilte die Armee mit. Nach Angaben der Behörden in der Enklave wurden militärische Anlagen der dort herrschenden radikal-islamischen Hamas und der kleineren und militanteren Gruppe Islamischer Dschihad getroffen. Opfer habe esnicht gegeben.

Der Islamische Dschihad hatte sich zu den Raketenangriffen auf Israel bekannt. Sie seien die Vergeltung für die Tötung dreier Kämpfer am Vortag durch eine israelische Rakete, sagte ihr Sprecher Abu Ahmed. Zehntausende Israelis mussten bei Vorwarnzeiten von teilweise nur wenigen Sekunden in Bunkern Schutz suchen. Laut israelischer Armee schlug am frühen Donnerstagmorgen eine Rakete in der Regionalverwaltung von Eschkol ein.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Angriffe scharf. Er bedauere die dramatische Eskalation der Gewalt, sagte Ban laut Mitteilung in New York. Der UN-Chef rief alle Beteiligten zu größtmöglicher Zurückhaltung auf.

Cameron sagte bei einem Treffen mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres in Jerusalem: "Lassen Sie es mich ganz deutlich sagen: Wir verurteilen diese Angriffe ganz und gar." Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu warnte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Cameron: "Wenn im Süden (Israels) keine Ruhe einkehrt, wenn es keine Ruhe für die Bürger Israels gibt, dann wird es Krach im Gazastreifen geben, viel Krach in Gaza." Abbas forderte ein Ende der "militärischen Eskalation Israels im Gazastreifen", wie die Zeitung "Haaretz" aus einer Mitteilung des Büros des Palästinenserpräsidenten zitierte.

Seit Ende November 2012 gilt eine von beiden Seiten immer wieder missachtete Waffenruhe zwischen Israel und dem Gazastreifen. Sie beendete einen achttägigen blutigen Schlagabtausch zwischen Israel und der Hamas.

Kurz vor dem Raketenbeschuss hatte Cameron in einer Rede im Parlament in Jerusalem für einen Frieden mit den Palästinensern auf Grundlage der Zwei-Staaten-Lösung geworben. Nach den Angriffen betonte er jedoch, ein solcher Palästinenserstaat dürfe "keine Basis für Terror" werden.

Cameron war am Vormittag zu seinem knapp zweitägigen Besuch Israels und der Palästinensergebiete eingetroffen. Zunächst besichtigte er die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Am Donnerstag steht ein Treffen mit Abbas auf dem Programm.

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