Berlin/Kiew (dpa) - Wenige Tage vor dem Russland-Referendum der Krim erhöht der Westen den Druck auf Moskau - sucht aber zugleich intensiv nach einem diplomatischen Ausweg aus der Krise. Kanzlerin Angela Merkel warnte Russland am Donnerstag im Bundestag vor einer internationalen Isolierung.

Sie drohte Moskau mit weiteren Sanktionen, sollte es nicht in den allernächsten Tagen zu Ergebnissen in Verhandlungen kommen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) legte Beitrittsverhandlungen mit Russland auf Eis. Der OECD-Rat sei damit einem Antrag der 34 Mitgliedstaaten gefolgt, teilte die Organisation in Paris mit.

Am Freitag kommt US-Außenminister John Kerry in London mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow zusammen. Nach Angaben der "New York Times" plant Kerry ein elfstündiges Treffen. Dabei wolle er den Kreml davon überzeugen, die Annexion der Krim nicht weiter voranzutreiben, zitiert die Zeitung US-Regierungsmitglieder. Der ukrainische Übergangsregierungschef Arseni Jazenjuk stellte der Krim weitreichende Zugeständnisse in Aussicht.

In einer Regierungserklärung sagte Merkel in Berlin, wenn Russland seinen Kurs fortsetze, wäre dies nicht nur "eine Katastrophe für die Ukraine". Damit schade sich Russland auch ganz massiv selbst, und zwar "ökonomisch wie politisch". Die Kanzlerin bekräftigte den Willen der Europäischen Union (EU) zu Sanktionen gegen Russland. "Niemand von uns wünscht sich, dass es zu solchen Maßnahmen kommt", sagte sie. "Doch wir alle wären zu ihnen bereit und entschlossen, falls sie unumgänglich werden."

Merkel sagte weiter: Wenn es "in den allernächsten Tagen" nicht zu Verhandlungen mit Russland komme, die zu Resultaten führten, würden die EU-Außenminister am nächsten Montag weitere Sanktionen beschließen. Dazu gehörten Einreise- und Kontensperrungen. Ein militärisches Eingreifen im Krim-Konflikt schloss sie aus. "Militärisches Vorgehen ist keine Option für uns", sagte sie.

Die ukrainische Halbinsel Krim stimmt am Sonntag in einem Referendum über einen Anschluss an Russland ab. Eine Mehrheit dafür gilt als sicher. Der Westen und die ukrainische Regierung in Kiew werfen Russland vor, die Halbinsel am Schwarzen Meer mit Tausenden Soldaten unter Kontrolle gebracht zu haben. Moskau will den Beitritt der Krim zur Russischen Föderation schnell umsetzen.

Der Westen lehnt den Anschluss als völkerrechtswidrig ab und fordert von Russland Verhandlungen im Rahmen einer internationalen Kontaktgruppe. Die EU hatte in der vorigen Woche aus Protest gegen das Verhalten Russlands einen Drei-Stufen-Sanktionsplan beschlossen. Für den Fall einer Eskalation der Lage will die EU Strafmaßnahmen bis hin zu Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängen.

Der ukrainische Regierungschef Jazenjuk stellte der Krim Zugeständnisse in Aussicht. "Als ukrainische Regierung sind wir bereit, einen landesweiten Dialog über die Stärkung der Rechte der Autonomen Republik Krim zu beginnen", sagte Jazenjuk am Mittwoch in Washington vor dem "Atlantic Council". Das betreffe etwa Steuern und Amtssprache. Die Einwohner auf der Krim sind fast alle russische Muttersprachler.

Jazenjuk deutete zudem an, das Parlament in Kiew könne einer Volksbefragung auf der Halbinsel zustimmen. Jede Diskussion müsse aber in einem verfassungsrechtlichen Rahmen stattfinden, sagte er.

US-Präsident Barack Obama bekräftige nach einem Treffen mit Jazenjuk im Weißen Haus, Russland werde einen Preis zahlen, sollte es in der Ukraine weiterhin internationales Recht brechen. Details nannte er nicht. Laut Außenminister Kerry sind die USA zu harten Sanktionen gegen Russland bereit. Sie könnten sehr schnell beschlossen werden, wenn die "falschen Entscheidungen" getroffen würden, sagte er nach Angaben der "New York Times" in einer Anhörung vor dem Kongress.

Weltbank zur Ukraine

EU und Ukraine

Internetseite zum Referendum

Hinweise zur Akkreditierung

Weltbank zur Ukraine

Mitteilung der EU-Kommission

Jazenjuk beim "Atlantic Council" in Washington

Website OECD