Leipzig (dpa) - Die Leipziger Buchmesse hat das neue Literaturjahr am Donnerstag mit Optimismus und Aufbruchstimmung eröffnet.

Der dichte Andrang vor allem junger Besucher zeigte, dass der Spaß am Lesen ungebrochen ist. Für Gesprächsstoff in der Branche sorgte die Ankündigung des Internet-Riesen Amazon, im Frühjahr ein deutschsprachiges Verlagsprogramm zu starten. Am Nachmittag sollte bei dem viertägigen Bücherfest der renommierte Leipziger Buchpreis vergeben werden.

Der Online-Buchhändler Amazon, der in der Vergangenheit schon dem stationären Buchhandel schwer zu schaffen gemacht hat, geht jetzt auch auf Konkurrenz zu den Verlagen. Das angekündigte deutsche Verlagsprogramm soll Belletristik als E-Book auf dem Kindle und als Printausgabe auf Amazon herausbringen. Es startet mit neuen Titeln der populären deutschen Autoren Emily Bold und Alexander Hartung.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels reagierte am Donnerstag skeptisch. "Es ist zu befürchten, dass lediglich der Abklatsch eines Verlages entsteht und nicht die Leistung geboten wird, für die Verlage eigentlich stehen: Das ist die persönliche 360-Grad-Betreuung der Autoren mit kritischem Lektorat und gezieltem Marketing für das Buch", erklärte Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis.

Der Geschäftsführer des Droemer Knaur Verlags, Hans-Peter Übleis, sagte in einem dpa-Interview, angesichts der Marktmacht und Kundennähe von Amazon sei dies ein ernsthafter Konkurrent. "Verlage müssen in Zukunft noch stärker herausstreichen, welche Leuchtturmfunktion im Meer der Texte und Manuskripte sie haben." Der Marketing-Geschäftsführer von Bastei Lübbe, Klaus Kluge, reagierte entspannt: Er glaube nicht, dass Amazon Bestsellerautoren bekommen werde. Die klassischen Verlage böten mit ihrer Erfahrung ein besseres Sprungbrett zum Erfolg, sagte Kluge.

Schon seit Jahren betreibt der Online-Buchhändler die Plattform Amazon Publishing, die Bücher bekannter deutscher Autoren in englischer Übersetzung anbietet. Kindle-Vizepräsident Jorrit Van der Meulen sagte, jetzt gehe es darum, "großartige deutschsprachige Autoren einem breiteren Publikum vorzustellen."

Themenschwerpunkt bei der Buchmesse ist unter dem Motto "tranzyt" zum dritten Mal die Literatur aus Polen, Weißrussland und der Ukraine. Der ukrainische Erfolgsautor Juri Andruchowytsch bat um Solidarität mit der Freiheitsbewegung in seinem Land. Es sei wichtig, dass der Westen die demokratischen Kräfte und die Übergangsregierung nachhaltig unterstütze.

Das diesjährige Gastland Schweiz ist mit mehr als 80 Autoren in Leipzig vertreten, darunter Lukas Bärfuss, Jonas Lüscher und Adolf Muschg. Erfolgsautor Martin Suter stellte einen neuen Band seiner Allmen-Reihe vor. Geprägt wird der "Auftritt Schweiz" auch vom umstrittenen Volksentscheid zur Begrenzung der Zuwanderung. Der 66-Jährige Suter sagte, das Resultat habe ihn erschreckt. Gleichwohl bleibe die Schweiz ein weltoffenes Land.

Finnland, das im Herbst Gastland der Frankfurter Buchmesse (8.-12.10.) sein wird, hat den traditionellen Vorauftritt in Leipzig mit zehn Gastautoren. Unter dem Motto "Finnland.Cool.2014" wurden für dieses Jahr 130 Titel aus dem lesefreudigen skandinavischen Land ins Deutsche übersetzt. "Es ist eine sehr schräge Mischung in der finnischen Literatur", sagte der Frankfurter Buchmesse-Direktor Jürgen Boos.

Das Leipziger Buchfest war am Morgen bei strahlendem Sonnenschein bereits unter großem Besucherandrang eröffnet worden. Bis zum Sonntag präsentieren sich mehr als 2000 Aussteller aus 43 Ländern. Neu ist in diesem Jahr eine eigene Messe für die Manga-Fans, die Manga-Comic-Convention. Insgesamt rechnen die Veranstalter rechnen mit mehr als 150 000 Gästen.