Frankfurt/Main (dpa) - Spekulationen um eine Zinserhöhung in den USA haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag ins Minus gedrückt.

Der Dax stand 1,20 Prozent tiefer bei 9166 Punkten. In den vergangenen vier Handelstagen hatte der deutsche Leitindex noch von der Hoffnung auf eine Entspannung in der Krim-Krise profitiert und knapp drei Prozent gewonnen.

Für den MDax ging es am Mittag um 1,10 Prozent auf 16 263 Punkte nach unten und der TecDax büßte 1,77 Prozent auf 1234 Punkte ein. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 1,01 Prozent auf 3045 Punkte.

Die US-Notenbank Fed steuert zusehends auf eine Normalisierung ihrer Geldpolitik zu. Zwar behält sie ihren Kurs einer außergewöhnlich lockeren Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft vorerst bei, neue Zinsprognosen der Top-Notenbanker lassen jedoch darauf schließen, dass eine erste Zinsanhebung früher als gedacht kommen könnte.

"Dass die Zinsen in den USA vielleicht schon wieder im Frühjahr 2015 angehoben werden könnten, damit hat die Börse nicht gerechnet", sagte Analyst Jens Klatt vom Broker DailyFX. Zwar habe der Markt jetzt Gewissheit, aber viele Investoren müssten sich nach diesen Erkenntnissen erst einmal neu orientieren und ihre Anlageentscheidungen überdenken.

Ansonsten zogen weiterhin Unternehmensausblicke und Geschäftszahlen die Aufmerksamkeit auf sich. So gibt der weltgrößte Rückversicherer Munich Re trotz eines absehbaren Gewinnrückgangs in diesem Jahr eine weitere Milliardensumme an seine Aktionäre zurück.

Die Papiere stiegen um rund ein Prozent. Die Aktien von Lanxess kletterten an der Dax-Spitze um 3,12 Prozent auf 52,86 Euro. Der Spezialchemiekonzern rechnet nach einem Verlust 2013 für das erste Quartal dieses Jahres mit einem etwas höheren operativen Ergebnis.

Am SDax-Ende rutschten die Aktien von Deutz um rund sechs Prozent ab. Der Motorenhersteller hatte trotz eines kräftigen Gewinnsprungs die hohen Erwartungen der Börse nicht erfüllen können.

Gleichzeitig blieb der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine Gesprächsthema. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte als Reaktion auf die Krim-Krise ein Exportgeschäft des Rüstungskonzerns Rheinmetall mit Moskau bis auf weiteres gestoppt. Die Aktien fielen am MDax-Ende um mehr als vier Prozent.