Frankfurt/Main (dpa) - Spekulationen über eine Zinserhöhung in den USA haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag belastet. Der Dax stand 0,85 Prozent tiefer bei 9198 Punkten.

In den vergangenen vier Handelstagen hatte der deutsche Leitindex noch von der Hoffnung auf eine Entspannung in der Krim-Krise profitiert und knapp drei Prozent gewonnen. Für den MDax ging es am Donnerstag um 1,00 Prozent auf 16 279 Punkte nach unten, der TecDax büßte 1,47 Prozent auf 1238 Punkte ein. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 0,74 Prozent auf 3054 Punkte.

Die US-Notenbank Fed steuert zusehends auf eine Normalisierung ihrer Geldpolitik zu. Zwar behält sie ihren Kurs einer außergewöhnlich lockeren Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft vorerst bei. Neue Zinsprognosen der Top-Notenbanker lassen jedoch darauf schließen, dass eine erste Zinsanhebung früher als gedacht kommen könnte.

"Die Börse hat nicht damit gerechnet, dass die Zinsen in den USA vielleicht schon im Frühjahr 2015 angehoben werden könnten", sagte Analyst Jens Klatt vom Broker DailyFX. Zwar habe der Markt nun Gewissheit, aber viele Investoren müssten sich nach diesen Erkenntnissen erst einmal neu orientieren und ihre Anlageentscheidungen überdenken.

Auch Unternehmensausblicke und Geschäftszahlen zogen am Markt die Aufmerksamkeit auf sich. So gibt der weltgrößte Rückversicherer Munich Re trotz eines absehbaren Gewinnrückgangs in diesem Jahr eine weitere Milliardensumme per Aktienrückkauf an seine Anteilseigner zurück.

Die Titel von Lanxess kletterten an der Dax-Spitze um 3,22 Prozent auf 52,91 Euro. Der Spezialchemiekonzern rechnet nach einem Verlust 2013 mit einem etwas höheren operativen Ergebnis im ersten Quartal dieses Jahres.

Im SDax rutschten die Aktien von Deutz um knapp acht Prozent ab. Der Motorenhersteller hatte trotz eines kräftigen Gewinnsprungs die hohen Erwartungen der Börse nicht erfüllen können.

Papiere von Air Berlin büßten einen Teil ihres Vortagesgewinns von knapp 15 Prozent wieder ein und verloren mehr als 7 Prozent. Laut dem "Manager Magazin" erwägt die Fluggesellschaft einen Neustart jenseits der Börse.

Gleichzeitig blieb der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine Gesprächsthema. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte als Reaktion auf die Krim-Krise ein Exportgeschäft des Rüstungskonzerns Rheinmetall mit Moskau bis auf weiteres gestoppt. Die Rheinmetall-Aktien fielen am MDax-Ende um 5,66 Prozent.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,29 Prozent am Vortag auf 1,36 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,31 Prozent auf 134,26 Punkte. Für den Bund-Future ging es um 0,22 Prozent auf 142,21 Punkte nach unten. Der Kurs des Euro gab nach. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3762 (Mittwoch: 1,3913) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7266 (0,7188) Euro.