Brüssel (dpa) - Die Ukraine-Krise macht dem Westen nicht nur politisch zu schaffen. Der Konflikt schürt in der EU auch Sorgen um die eigene Energieversorgung.

Großbritannien warnte in einem Diskussionspapier für die Teilnehmer des EU-Gipfels in Brüssel, Europa dürfe nicht übermäßig abhängig werden von einer begrenzten Anzahl von Energiequellen und von äußerem Druck.

Denn bei Energie-Importen hängt Europa am Tropf Russlands. Von dort bezieht die EU nach Angaben der EU-Kommission etwa je ein Drittel ihrer Importe an Rohöl (35 Prozent) und Erdgas (30 Prozent). Das Auswärtige Amt beziffert den russischen Anteil am europäischen Erdgas sogar auf 45 Prozent.

Auch bei festen fossilen Brennstoffen wie Kohle oder Torf liegt Russland laut EU-Kommission vorne (26 Prozent). Die jüngsten Zahlen der Brüsseler Behörde stammen aus dem Jahr 2011. Diese Abhängigkeit dürfte in den kommenden Jahrzehnten wohl noch zunehmen, erwartete ein Diplomat.

Großbritannien pocht daher auf europäische Unterstützung für die umstrittene Förderung von Schiefergas. In Europa steckt die Gewinnung des Gases aus tiefen Gesteinsschichten noch in den Kinderschuhen - ganz im Gegensatz zu den USA. Neben Großbritannien will vor allem Polen die Gewinnung vorantreiben. Umweltschützer fürchten hingegen Verschmutzungen des Grundwassers.

Ohne Öl, Gas und feste Brennstoffe aus Russland stünde Europa schlecht da: Aus diesen drei Energieträgern beziehen die EU-Staaten insgesamt rund drei Viertel ihres Bedarfs. Gerade einmal ein Zehntel kam 2011 aus erneuerbaren Energien. Ein EU-Diplomat übte sich vor dem Gipfel in Zweckoptimismus: "Zum Glück steht uns jetzt der Sommer bevor und nicht der Winter."

Energie-Statistiken der EU-Kommission - vgl. Seite 21 und 25

Auswärtiges Amt zu EU und Russland