Berlin (dpa) - Im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes sind Arbeitgeber und Gewerkschaften am Donnerstag in Potsdam zu erneuten Verhandlungen eingetroffen. Zunächst führten beide Gruppen interne Gespräche. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, er hoffe auf eine schnelle Einigung.

Er habe "einige Ideen" für einen möglichen Kompromiss mitgebracht. Ob es aber ein konkretes Arbeitgeberangebot geben werde, sei noch nicht sicher. Der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber, Thomas Böhle, äußerte sich skeptisch, dass es zu einem schnellen Angebot der Arbeitgeber kommen werde. Die Forderungen der Gewerkschaften seien zu hoch.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der dbb-Beamtenbund fordern für die 2,1 Millionen Angestellten von Bund und Kommunen eine Anhebung aller Gehälter um einen Sockelbetrag von 100 Euro sowie um weitere 3,5 Prozent. Verdi-Chef Frank Bsirske sagte, die Arbeitgeber seien jetzt am Zug. Ein Angebot von ihnen sei mehr als überfällig. dbb-Verhandlungsführer Willi Russ sagte, die Warnstreiks der vergangenen Tage hätten gezeigt, dass die Beschäftigten hinter den Forderungen stünden.

De Maizière wie auch Böhle bezeichneten die Sockelforderung der Gewerkschaften als "hochproblematisch". Er habe zwar grundsätzlich Sympathie dafür, die Einkommen in den unteren Entgeltgruppen zu verbessern, sagte de Maizière. Gleichwohl müsse man feststellen, dass gerade in diesen Gruppen die Beschäftigten im öffentlichen Dienst mehr verdienten als in der Privatwirtschaft. Bei seinem Eintreffen suchte de Maizière demonstrativ das Gespräch mit Gewerkschaftsmitgliedern, die vor dem Tagungshotel für mehr Lohn demonstrierten.

Die zweite Verhandlungsrunde wurde erneut von Warnstreiks begleitet. Diese trafen unter anderem die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Kiel.