Washington (dpa) - Die neue Chefin der US-Notenbank (Fed), Janet Yellen, hat ein Signal für die künftige Geldpolitik gegeben. Die Anleihekäufe der Fed könnten im Herbst auslaufen, etwa sechs Monate später könnten zudem erstmals seit 2008 die Leitzinsen erhöht werden.

Allerdings fügte Yellen am Mittwoch bei ihrer ersten Pressekonferenz seit ihrem Amtsantritt im Februar hinzu: "Es hängt davon ab, wie die Umstände sind."

Die US-Notenbank nimmt also weiterhin nur langsam Abschied von ihrer Krisenpolitik. Wie die Fed aber zugleich mitteilte, werden die Anleihekäufe zur Ankurbelung der Wirtschaft erneut reduziert. Gestrichen wird ferner die Arbeitslosenquote als konkreter Zielwert für eine Zinserhöhung. "Es gibt noch viel tun, sowohl an der Jobfront als auch an der Inflationsfront", sagte Yellen. Erstmals äußerte sie sich auch öffentlich zur Krim-Krise und möglichen Folgen für die Finanzmärkte.

Diese reagierten mit einem leichten Minus. Der Leitindex Dow Jones schloss am Mittwoch mit 16 222,17 Punkten um 0,70 Prozent im Minus. Der Euro fiel gegenüber dem Dollar um gut einen halben US-Cent.

Die monatlichen Käufe von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren werden zum dritten Mal in diesem Jahr um 10 Milliarden Dollar (7,2 Mrd Euro) reduziert. Damit sinkt die Summe von ursprünglich 85 auf künftig 55 Milliarden Dollar pro Monat. Die 2012 begonnenen Wertpapierkäufe sind eine geldpolitische Maßnahme zur Stärkung der Wirtschaft, die langfristige Zinsen drücken und damit Reiz für Investitionen schaffen sollen.

"Sowohl die Reduzierung der Anleihekäufe (...) als auch die Aufgabe des Schwellenwertes war keine Überraschung", urteilte ein Analyst der Landesbank Baden-Württemberg.

Zu den Spannungen zwischen Russland und der Ukraine sagte Yellen: "Das ist etwas, was wir sehr genau beobachten (...) Offensichtlich gibt es dort geopolitische Risiken, und es ist wichtig für uns, dass wir ein Auge darauf werfen." Negative Folgen für die USA und die Märkte seien derzeit nicht sichtbar, nicht zuletzt, weil der US-Handel mit der Region nicht groß sei. Falls sich die Spannungen aber zuspitzen sollten, drohten Konsequenzen für die Finanzmärkte.

Bisher hatte die Fed stets vermieden, einen Zeitrahmen für mögliche Zinserhöhungen nennen. Sie hatte versprochen, erst dann an der Zinsschraube zu drehen, wenn die Arbeitslosigkeit unter 6,5 Prozent falle. Da die Quote mit derzeit 6,7 Prozent diesem Ziel sehr nah gekommen ist, ohne dass die Wirtschaft sich nach Ansicht der Zentralbank ausreichend erholt habe, will die Bank künftig zusätzliche ökonomische Daten stärker gewichten. Die Zinsen liegen seit der schweren Finanzkrise 2008 auf dem historischen Tief von null bis 0,25 Prozent.

Der Wirtschaftsausblick der Fed fiel ein bisschen schlechter als bisher aus. Demnach wird die US-Konjunktur in diesem Jahr zwischen 2,8 und 3,0 Prozent zulegen. Bisher war die Notenbank von 2,8 bis 3,2 Prozent ausgegangen.

Fed-Mitteilung