Washington/Frankfurt (dpa) - Die neue US-Notenbank-Chefin Janet Yellen hat ein Ende des ultrabilligen Geldes angedeutet und damit die Märkte unter Druck gesetzt.

Die Spekulationen, dass die Fed ihren Leitzins früher als bisher erwartet anheben könnte, belasteten am Donnerstag Aktien, Anleihen und den Euro. Die Notenbank behält zwar zunächst ihren Kurs einer außergewöhnlich lockeren Geldpolitik bei, neue Zinsprognosen der Top-Notenbanker lassen jedoch darauf schließen, dass eine erste Anhebung früher als gedacht kommen könnte.

"In der Gesamtschau lassen sich die Informationen als eine jetzt noch nicht erwartete sehr frühe Vorbereitung auf die erste Leitzinserhöhung Mitte 2015 interpretieren", sagte Rudolf Besch von der Dekabank. Bisher hatte die Märkte eine erste Erhöhung in den USA erst im Herbst 2015 erwartet.

Die Aktienmärkte reagierten überwiegend mit Verlusten auf die Aussicht steigender Zinsen. So schloss die Wall Street noch am Mittwochabend nach der Pressekonferenz der US-Notenbank im Minus. Die Märkte Asiens folgten am Donnerstagmorgen mit zum Teil deutlichen Abschlägen. Der japanische Nikkei-225-Index gab zum Handelsschluss mehr als anderthalb Prozent nach.

In Europa startete der Dax mit Abschlägen in den Handel. Von seinem bisherigen Tagestief bei 9209,61 Punkten konnte er sich aber etwas erholen und stand zuletzt mit einem Abschlag von einem halben Prozent bei 9228 Punkten. Ein ähnliches Bild lieferte der EuroStoxx 50. Der Leitindex der Eurozone konnte seine Auftaktverluste im frühen Handel ebenfalls deutlich eindämmen.

Der Eurokurs fiel bereits am Mittwoch zum Dollar um rund einen Cent. Auch hier gehen viele Experten davon aus, dass der erste Zinsschritt der US-Notenbank früher als bisher gedacht kommen könnte. Damit würde eine Normalisierung der Geldpolitik deutlich schneller als bisher erwartet einsetzen.

Am Donnerstag knüpfte der Eurokurs an die Verluste vom Vortag an und fiel leicht auf 1,3801 Dollar. Die Commerzbank erwartet weitere Verluste für den Euro. "Die Reaktion des Dollar gestern war nur ein Vorgeschmack", schreibt Devisenexperte Ulrich Leuchtmann. Bis zum Jahresende sollte der Dollar laut Commerzbank bis auf 1,34 Dollar fallen.

Unter Druck gerieten auch die Kurse von Staatsanleihen, während die Renditen entsprechend zulegten. Neben der Aussicht auf eine schnellere Zinserhöhung belastete hier das weitere Zurückfahren der Anleihekäufe durch die US-Notenbank.

Die Wertpapierkäufe zur Belebung der Konjunktur wurden um weitere zehn Milliarden US-Dollar verringert. Bereits am Mittwochabend gerieten US-Staatsanleihen unter Druck. Deutsche Bundesanleihen zogen am Donnerstag nach. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen stieg um 0,04 Prozentpunkte auf 1,637 Prozent.

Dagegen wurden die Entscheidungen der US-Notenbank an den Rohstoffmärkte weitgehend ignoriert. Der Ölpreis legte sogar zu. Der Goldpreis fiel zwar, war allerdings bereits vor den Entscheidungen der US-Notenbank unter Druck geraten.