Hamburg (SID) - Im Fall des unterschenkelamputierten Weitspringers und Paralympic-Stars Markus Rehm (25) plant der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) die Einführung eines TÜV für Prothesen. "Jetzt wollen wir mit dem Deutschen Behindertensportverband Gespräche führen und eine unabhängige Forschungsstelle beantragen", sagte Gerhard Janetzky, Inklusionsbeauftragter des DLV, dem Tagesspiegel: "Einen TÜV für Prothesen sozusagen, der feststellt, ob mit dieser Prothese ein unverhältnismäßiger Vorteil erreicht werden kann oder nicht."

Rehm hatte kürzlich die Voraussetzungen für einen Start bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften der Nichtbehinderten erfüllt. Der Paralympics-Sieger von London 2012 und Weltrekordhalter (7,95 m) seiner Klasse sprang bei einem Meeting in Dubai 7,65 m und schaffte die Norm für die Wettkämpfe in Ulm (26. und 27. Juli). Ob er in Ulm wirklich um die Medaillen mitspringen kann und in die Wertung aufgenommen wird, ist aber unklar.

Bisher liegt es im Ermessen des Kampfrichters, ob er einen behinderten Sportler in die Wertung bei den Nichtbehinderten aufnimmt. "Markus Rehm könnte durch seine Prothese einen Vorteil haben", sagte Janetzky, "und Plaisir geht für mich vor Inklusion". Jede Prothese werde ständig verbessert. "Ich habe die heimliche Hoffnung, dass die Technik so voranschreitet, dass Markus Rehm bald neun Meter springt. Spätestens dann kommt die ganze Irrsinnigkeit rüber", sagte Janetzky.